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01.02.2008 Wenn Wein allergisch macht / Schock durch Champagner


Eine echte Weinallergie ist relativ selten, kann aber heftige Beschwerden auslösen. Einige Patienten erleiden sogar einen allergischen Schock (Anaphylaxie). Dr. Susanne Schäd und ihre Kollegen an der Universitäts-Hautklinik in Würzburg berichteten 2005 über eine 27-jährige Frau, die nach dem Genuss von Rotwein, Sekt, Weintrauben oder Rosinen innerhalb einer Stunde juckende Handflächen, Schwellungen an Augen, Lippen und Zunge, Atemnot, Schluckbeschwerden und Kreislaufbeschwerden bekam. Die Ursache war eine allergische Reaktion auf Lipid-Transfer-Proteine (LTP) in Weintrauben. Allergene LTP finden sich beispielsweise in einigen Obst- und Gemüsesorten wie Pfirsichen, Kirschen, Mais, Spargel und Salat.(1) Lipid-Transfer-Proteine sind häufig Auslöser von Allergien im Mittelmeerraum. Aus Spanien wird beispielsweise der Fall einer jungen Frau berichtet, die nach dem Genuss von Champagner mehrmals bewusstlos wurde. Sie erlitt jedoch lediglich einen allergischen Schock, wenn sie zum Schaumwein auch noch Weintrauben aß.(2) Es ist bisher nur wenig bekannt, ob LTP auch bei uns Auslöser einer Anaphylaxie sein können.Anaphylaktische Schocks sind lebensbedrohlich. Die häufigsten Auslöser sind Insektengifte, Nahrungsmittel wie Erdnüsse oder Sellerie und Arzneimittel. Lebenswichtig ist die Identifizierung des Auslösers durch allergologische Tests. Gefährdete Personen müssen stets Notfall-Medikamente bei sich tragen. "Eine Allergie auf Insektengift kann sehr gut mit einer spezifischen Immuntherapie behandelt werden. Nahezu alle Patienten sind nach dieser ursächlichen Therapie vor allergischen Schocks durch das Insektengift geschützt", sagt der Münchner Professor Dr. Bernhard Przybilla von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI).Gar nicht selten: Allergiesymptome nach AlkoholgenussNicht wenige Menschen leiden jedoch nach dem Genuss unterschiedlicher alkoholischer Getränke unter Allergiesymptomen im Bereich der Atemwege oder der Haut. Eine 2008 publizierte dänische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 13 Prozent der Erwachsenen im Laufe ihres Lebens bereits solche Beschwerden nach Alkoholgenuss hatten. Am häufigsten traten die Symptome nach Rotwein auf,(3) häufiger bei Frauen als bei Männern.(4) Die Pathomechanismen dieser Reaktionen sind bisher noch unklar und vermutlich vielfältig. Sehr selten sind anaphylaktische Reaktionen auf Ethanol selbst(5).Epidemiologische Studien ergaben, dass Menschen, die häufiger Alkohol trinken, vermehrt unter allergischem Schnupfen und Asthma leiden.(3) Bei einer früheren Untersuchung von 3.317 Patienten stellten die dänischen Wissenschaftler fest, dass diejenigen, die mehrmals pro Woche alkoholische Getränke zu sich nahmen, häufiger gegen mit der Luft verbreitete Allergieauslöser (Aeroallergene) sensibilisiert waren.(6)Insektengift-Allergie durch Wein?Im Sommer 2007 berichteten spanische Mediziner von fünf Patienten, die nach den Genuss von Traubensaft oder jungem Wein Allergiesymptome hatten. Ein Patient erlitt gar einen anaphylaktischen Schock.(7) Ein Hauttest zum Nachweis einer Allergie war mit dem verdächtigen Wein positiv, nicht aber mit anderen, älteren Weinproben. Dagegen fielen Tests mit Insektengift positiv aus, obwohl keiner der Patienten von einem früheren Bienen- oder Wespenstich berichtete. Des Rätsels Lösung: In Traubensaft und jungem Wein ist Insektengift nachweisbar. Wenn Trauben gepresst werden, geraten vermutlich auch Insekten in das Produkt. Die spanischen Wissenschaftler glauben, dass bereits diese geringen Giftmengen bei empfindlichen Menschen ausreichen, um auf oralem Wege zu Sensibilisierungen und Allergiesymptomen zu führen. Möglicherweise zersetzen sich die Gifte während der Reifung der Weine, so dass ältere Weine sicher sind. "Eine interessante Beobachtung - dieser Weg der Entwicklung einer Allergie und Auslösung von Anaphylaxie bleibt allerdings zunächst einmal hypothetisch", kommentiert Professor Przybilla. "So hätte die tatsächliche Auslösung der Symptome durch Insektengift über einen oralen Provokationstest mit Insektengift gesichert werden können. Ein solcher Test wurde aber offensichtlich nicht vorgenommen."

  1. Schad SG, et al.: Wine anaphylaxis in a German patient: IgE-mediated allergy against a lipid transfer protein of grapes. Int Arch Allergy Immunol 2005;136(2):159-164.
  2. Alcoceba Borràs E, et al.: Alcohol-induced anaphylaxis to grape. Allergol Immunopathol (Madr) 2007;35(4):159-151.
  3. Linneberg A, et al.: Prevalence of self-reported hypersensitivity symptoms following intake of alkoholic drinks. Clin Exp Allergy 2008;38(1):145-151.
  4. Nihlen U, et al.: Alcohol-induced upper airway symptoms: prevalence and co-morbidity. Respir Med 2005;99(6):762-769.
  5. Przybilla B, Ring J: Anaphylaxis to ethanol and sensitization to acetic acid. Lancet 1983;1:483.
  6. Linneberg A, et al.: Association between alkohol consumption and aeroallergen sensitization in Danish adults. Clin Exp Allergy 2006;36(6):714-721.
  7. Armentia A, et al.: Wine-induced anaphylaxis and sensitization to hymenoptera venom. N Engl J Med 2007;357(7):719-720.

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