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02.05.2003 Allergie-Ärzte erwarten dieses Jahr noch hohe Belastung durch Pollen


Amerikanische Pollenschleuder jetzt auch in Deutschland
Dieses Jahr kam es wegen des langen Winters erst im März zum Flug von Erlen- und Haselpollen. Durch die Kälteperiode Anfang April wurde der Pollenflug aber wieder gebremst. Mit dem warmen Wetter Mitte April setzte dann explosionsartig der Flug von Birkenpollen ein. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI), Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus erklärt dazu: "Erst jetzt hat die Heuschnupfenzeit richtig begonnen. Die verspätete Pollensaison in diesem Jahr war aber eine Ausnahme. Normalerweise haben viele Menschen schon Ende Januar Heuschnupfen-Symptome durch die frühblühenden Bäume." Bäume und Gräser beginnen allgemein immer früher zu blühen und setzen immer mehr Pollen frei. Gräser und allergieauslösende Kräuter wie Beifuß haben außerdem eine verlängerte Pollensaison, die bis zum Herbst andauert. Der Wiener Experte Professor Dr. Siegfried Jäger ist sich sicher, dass die globale Klimaerwärmung Ursache für das veränderte Blühverhalten der Pflanzen ist: "Der Wendepunkt kam 1984/1985. Für Menschen, die auf Bäume, Gräser und Kräuterpollen sensibilisiert sind, wird die Heuschnupfenzeit seitdem immer länger und die pollenfreie Zeit immer kürzer."

Traubenkraut (Ragweed) - Das Pollenübel aus den USA jetzt auch bei uns
Zukünftig könnte eine bei uns noch neue, stark allergisierende Pflanze den Heuschnupfen-Patienten das Leben zusätzlich schwer machen: Das Traubenkraut aus der Familie der Korbblütler. In den Vereinigten Staaten ist es der häufigste Allergieauslöser. Meistens wird für diese unscheinbare Pflanze der englische Name "Ragweed" verwendet. Ragweed-Pollen können schwerste Allergie- und vor allem auch Asthma-Attacken auslösen. Durch den Flugverkehr zwischen Deutschland und den USA wurden die Pollen inzwischen auch hierzulande eingeschleppt. Ragweed vermehrt sich beispielsweise schon erfolgreich im Frankfurter Raum. Im Urlaub kann man dem Traubenkraut bereits häufiger begegnen. In Ungarn, der Slowakei, Tschechien und Polen ist es bereits stark verbreitet. Inzwischen wächst die allergieauslösende Pflanze aber auch schon in Südschweden und Norditalien. Professor Dr. Karl-Christian Bergmann, Leiter der Allergie- und Asthmaklinik in Bad Lippspringe: "Wahrscheinlich wird sich Ragweed europaweit ausbreiten. Es ist zu befürchten, dass diese Pflanze uns noch stark beschäftigen wird." In seiner Klinik wurde schon bei mehreren Patienten eine Sensibilisierung gegen Ragweed festgestellt. "Noch ist unklar, wie viele tatsächlich unter Symptomen leiden. Wir müssen diese Pflanze aber zunehmend bei der Allergiediagnostik berücksichtigen."

Allergien sollten fachärztlich behandelt werden
Die Allergiediagnostik ist bei Heuschnupfen sehr wichtig für eine wirksame Therapie. Leider lassen sich jedoch nur wenige der etwa 13 Millionen Menschen, die in Deutschland bereits an Heuschnupfen erkrankt sind, von einem auf Allergien spezialisierten Facharzt behandeln. "Bei einem unbehandelten Heuschnupfen droht die große Gefahr, dass die Erkrankung sich auf die Bronchien ausdehnt und Asthma entsteht. Eine rechtzeitige Allergietherapie kann dies verhindern," so Professor Schultze-Werninghaus. Er empfiehlt bei einer Pollenallergie neben antiallergischen Medikamenten (Antihistaminika) die spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung, Hyposensibilisierung). Ziel dieser ursächlichen Therapie ist die Heilung der Allergie. Die Behandlung macht das Immunsystem bei bis zu 90 Prozent der Patienten langfristig unempfindlich gegenüber Pollenallergenen und hilft bei Heuschnupfen und allergischem Asthma. Üblicherweise werden dazu molekular definierte Allergen-Präparate regelmäßig über einen Zeitraum von etwa drei Jahren unter die Haut gespritzt. "Vor allem an Heuschnupfen erkrankte Kinder sollten rechtzeitig eine spezifische Immuntherapie erhalten. So kann in vielen Fällen Asthma verhindert werden", rät DGAI-Präsident Professor Schultze-Werninghaus.

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