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02.05.2003 Berufswahl von Allergiekranken


Vom Traum zum Trauma
Immer mehr Jugendliche in Deutschland leiden unter Allergien oder Asthma. Viele von ihnen sind derzeit auf der Suche nach einer Lehrstelle für den Herbst. Angesichts der wirtschaftlichen Situation in Deutschland ist es nicht leicht, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu finden. Doch allergiekranke Jugendliche stehen vor einem zusätzlichen Problem. Ihnen kann der Zugang zu ihrem Traumberuf verwehrt werden oder sie müssen eine bereits begonnene Ausbildung wegen einer Allergie abbrechen. Ein Asthmatiker hat beispielsweise in den meisten Bundesländern wenig Chancen, Polizist zu werden. Wer so ehrlich ist, auf dem Bewerbungsbogen Asthma oder auch "nur" Heuschnupfen anzugeben, muss mit folgender Ablehnung rechnen: "...nach den Richtlinien für die gesundheitliche Eignung schließen allergische Erkrankungen, insbesondere chronischer Art, die wiederholte Dienstunfähigkeit oder eine vorzeitige Leistungsminderung befürchten lassen, die Dienstfähigkeit aus...". Nicht viel besser ergeht es der Schulabgängerin, die sich mit viel Mühen einen Ausbildungsplatz im Friseurhandwerk erkämpft hat, um dann festzustellen, dass sie auf die in ihrem Berufsumfeld verwendeten Substanzen allergisch reagiert. Sie hat nicht nur viel Zeit verloren, sondern muss sich wieder in die Schlange der jungen Menschen einreihen, die einen Ausbildungsplatz suchen.

Etwa 30.000 Jugendliche pro Jahr müssen ihre Berufsausbildung aus Gesundheitsgründen abbrechen. Diese Zahl hat sich von 1985 bis 1997 verdoppelt. Ausbildungsabbrüche betreffen vorwiegend Berufe wie Bäcker, Konditor, Maler, Friseur, Metallarbeiter, Florist oder Schreiner. Berufe also, in denen man mit einer ganzen Reihe von kritischen Allergenen in Kontakt kommen kann. Sowohl die Anzahl der Ausbildungsabbrüche wegen gesundheitlicher Probleme als auch die mit einer hohen Dunkelziffer versehenen Fälle, in denen der Traumberuf erst gar nicht ausgeübt werden durfte, stellen ein gesundheitspolitisches und soziales Problem dar. Bei einer Untersuchung der Häufigkeit und Schwere von Haut- und Atemwegsbeschwerden bei Jugendlichen in Münster wurde im Zeitraum von 1995 bis 2000 ein relativer Anstieg asthmatischer Atembeschwerden von 24 Prozent ermittelt. Bei Kindern im Alter von sechs bis sieben Jahren wurde in der gleichen Studie bereits ein Anstieg von 33 Prozent festgestellt. "Angesichts dieser Zeitbombe ist es völlig unverständlich, dass die allergologische Beratung von Jugendlichen vor der Berufswahl nicht überall Pflicht ist", so Professor Dr. Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). In dem gemeinsam vorgelegten "Dresdner Manifest" zur Verbesserung der Situation allergiekranker Menschen fordern deutsche Allergieverbände außerdem Vorsorgeuntersuchungen in Kindergärten und Schulen zur Früherkennung von Allergien als Grundlage für eine rechtzeitige Behandlung.

Eine rechtzeitige Diagnose und die fachärztliche Behandlung mit einer effektiven Therapie könnte allergiekranken Jugendlichen ihren Traumberuf auch in Branchen mit Allergierisiko ermöglichen. So hat die spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung) mit standardisierten Allergen-Präparaten eine Erfolgsquote von über 90 Prozent und wirkt außerdem vorbeugend. Die Therapie kann die Entstehung zusätzlicher Allergien verhindern und das Risiko für Asthma senken. Nach erfolgreicher Allergie-Impfung besteht beispielsweise eine gute Chance, den gewünschten Beruf Gärtner erlernen zu können. Auch der Jugendliche, dessen Traumberuf Polizist ist, sollte nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Entweder hilft auch hier die Immuntherapie oder er kann so gut medikamentös eingestellt werden, dass seine Leistungsfähigkeit mit anderen Polizeianwärtern vergleichbar ist. Viele Olympiasieger und Weltrekordler, beispielsweise die Hamburger Schwimmerin Sandra Völker, sind Asthmatiker. Es ist also auch wichtig, zugunsten der Jugendlichen Urteile und Vorurteile bei Arbeitgebern und medizinischen Diensten abzubauen.

Wenn für die Jugendlichen die Berufswahl nicht zum Trauma werden soll, ist die rechtzeitige und individuelle Beratung durch einen allergologisch ausgebildeten Facharzt sehr wichtig. Für die Schulabgänger mit einer allergischen Vorgeschichte ist dies unverzichtbar.

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