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29.07.2002 Muss Waldi weg, wenn das Baby kommt?


Eine haarige Angelegenheit: Haustiere und Kleinkinder
In Deutschland leiden immer mehr Kinder unter Allergien und Asthma. Was kann man dagegen tun? Eine Empfehlung der Allergologen lautete stets, auf Katzen und Hunde zu verzichten, wenn man Kleinkinder hat. Denn Samtpfote und Waldi fördern möglicherweise die Entstehung von Allergien und damit auch die Gefahr, später an Asthma zu erkranken. Doch neuere Studien deuten nun teilweise einen widersprüchlichen Trend an. Amerikanische Wissenschaftler kamen zu dem verblüffenden Ergebnis, dass die Gegenwart von Haustieren in den ersten Lebensmonaten das Allergierisiko bei Kindern senken könnte. 

In einer aktuellen Studie von Dr. Ownby wurden knapp 500 Kinder bis zu einem Alter von sieben Jahren regelmäßig von Forschern untersucht. Kinder, die mit mindestens zwei Katzen oder Hunden aufwuchsen, erkrankten nur etwa halb so oft an Allergien, wie Kinder ohne Haustiere. Getestet wurden die Kinder auf Allergien gegen Pollen, Gräser, Tierhaare und Hausstaub. Möglicherweise verhindern bestimmte Stoffe aus dem Speichel der Tiere die Entstehung von Allergien. Diese aktuellen Ergebnisse korrelieren gut mit der seit einiger Zeit diskutierten "Schmutztheorie". Denn diese besagt, dass durch übertriebene Hygiene das Immunsystem von (Klein-) Kindern zu wenig trainiert wird. Ungefährliche Fremdstoffe werden von dem Immunsystem der Kinder falsch eingeordnet und es besteht die Möglichkeit ein Allergie zu entwickeln. Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, erkranken etwa 15-mal seltener an Allergien als ihre Altersgenossen, die sich nicht regelmäßig in Kuhställen aufhalten.

Trotz dieser neuen Ergebnisse sind bei der Allergieprävention noch eine ganze Reihe von Faktoren ungeklärt und müssen in weiteren Studien erforscht werden. Dazu gehören beispielsweise das Alter der Kinder bei Allergenkontakt, die Allergenmenge, die Krankheitsgeschichte der Familie hinsichtlich Allergien und Asthma sowie familiäre Gewohnheiten.

"Haustiere als Vorbeugung gegen Allergien und Asthma hört sich verlockend an. Trotzdem sollten Patienten die Entscheidung für ein Haustier genau abwägen. Diese eine Studie ändert noch nichts an unserer Empfehlung, bei erhöhtem Allergierisiko kein Haustier anzuschaffen", betont der Allergologe Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). "Wenn in der Familie bereits jemand an einer Allergie oder an Asthma erkrankt ist, sollte man grundsätzlich auf Katze oder Hund verzichten. Ist es bereits zu einer Allergie gekommen, gibt es sehr wirksame Therapiemöglichkeiten. Mit antiallergischen Medikamenten können die akuten Beschwerden gelindert werden. Langfristig kann man durch eine spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung) eine Heilung der Allergie erreichen. Jetzt, im Herbst, ist der günstigste Zeitpunkt für einen Therapiebeginn."

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