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29.07.2002 O3 - Kleines Molekül mit großer Wirkung


Erhöhte Ozonwerte belasten vor allem Allergiker und Asthmatiker
"Nichts wie raus", sagen sich viele, wenn die Sonne lockt. Doch so mancher erlebt eine böse Überraschung, wenn er sich bei schönstem Sommerwetter aufs Fahrrad schwingt: Kopfschmerzen, tränende Augen oder Husten - die Palette der durch erhöhte Ozonwerte ausgelösten Probleme ist breit. Immerhin reagieren ca. zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung sensibel auf erhöhte Ozonkonzentrationen. "Vor allem Personen mit Heuschnupfen oder Asthma müssen bei hohen Ozonwerten mit stärkeren Atembeschwerden rechnen", erklärt Professor Johannes Ring von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). In diesem Fall kann ein allergologisch ausgebildeter Facharzt mit antiallergischen Medikamenten die akuten Beschwerden bessern. Durch eine spezifische Immuntherapie mit modernen molekular standardisierten Allergenen (Allergie-Impfung) wird in den meisten Fällen sogar eine langfristige Linderung der Beschwerden erreicht.

Ozon löst Entzündungsprozesse aus
Ozon hat schon mehrfach für Negativschlagzeilen gesorgt. In den oberen Luftschichten nimmt die Ozonkonzentration ständig weiter ab. Resultat sind die berüchtigten Ozonlöcher. In Bodennähe dagegen steigen die durchschnittlichen Ozonkonzentrationen von Sommer zu Sommer an. Hier ist Ozon der Hauptbestandteil des so genannten Sommersmogs, der sich aus vielen Schadstoffen zusammensetzt. Intensive Sonneneinstrahlung, allgemeine Vegetation, Luftverschmutzung und eine bestimmte Wetterlage führen zur Bildung von Ozon in Bodennähe und verhindern gleichzeitig den Abtransport dieses Reizgases. Traurige Bilanz des schönen, aber ozonbelasteten Wetters: Es kommen ein Drittel mehr Asthmatiker in die Notfall-Ambulanzen als an Tagen mit niedrigen Ozonwerten.

Ozon kann Heuschnupfen und Asthma verstärken
Ozon und andere Bestandteile des Sommersmogs bewirken die vermehrte Freisetzung von Allergenen. Das Hauptproblem ist jedoch, dass Ozon von den Schleimhäuten der oberen Atemwege nicht zurückgehalten wird, sondern tief in die Bronchien eindringt. Dort zerfällt es in aggressive Sauerstoffradikale, die Entzündungen im umliegenden Gewebe hervorrufen können. Wenn dann Allergene eingeatmet werden, können diese sehr viel unmittelbarer wirken. Sommersmog ist also für den Betroffenen doppelt schlecht. Es befinden sich mehr Allergene in der Luft und Ozon fördert allergische Reaktionen, indem es das Lungengewebe schädigt. 

Ozon verschlimmert nicht nur bestehende Atemwegserkrankungen, sondern fördert möglicherweise sogar die Neuentstehung von Asthma. Zu diesem Ergebnis kam im vergangenen Jahr eine amerikanische Studie an 3.500 Kindern. Je mehr Sport bei hohen Ozonkonzentrationen im Freien betrieben wird, desto höher sei das Risiko, eine Atemwegserkrankung zu entwickeln. Trotzdem braucht man seine Kinder nicht zu Stubenhockern zu erziehen. Wenn sie bei hohen Ozonwerten auf größere Anstrengungen im Freien verzichten, bestehe kein erhöhtes Risiko, so die amerikanischen Wissenschaftler.

Keine Anstrengungen bei Ozon-Spitzenwerten
Wie oft müssen wir im Sommer mit erhöhten Ozonwerten rechnen? Beim Bundesumweltamt gehen die Daten von über 360 Messstationen ein und belegen, dass gefährliche Ozon-Spitzenwerte jetzt seltener erreicht werden. Trotzdem steigt die mittlere Ozonbelastung weiter an. Im Jahr 2001 lagen die Ozonkonzentrationen einzelner Messstationen an 33 Tagen über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ((mu)g/m3) und an sieben Tagen sogar über 240 (mu)g/m3. Ab 180 (mu)g/m3 wird die Bevölkerung über die Ozongefahr unterrichtet. Besonders Allergiker und Asthmatiker müssen dann mit gesundheitlichen Problemen rechnen. Bei Überschreiten von 360 (mu)g/m3 Ozon in der Luft besteht auch akute Gefahr für Gesunde. Über die aktuellen Ozonwerte informiert das Radio oder die Tageszeitung. Auf der Internetseite des Bundesumweltamtes (www.umweltbundesamt.de) werden die Werte stündlich aktualisiert. Bei hohen Ozonwerten sollte auf körperliche Anstrengungen im Freien verzichtet werden. Denn Anstrengung oder Sport lässt uns tiefer atmen, folglich dringt mehr Ozon viel weiter in die Lunge ein.

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