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29.07.2002 Kontaktallergie auf Pflanzen


Grüne Pracht mit Tücken
Duftende Blumenbeete im Garten, ein bunter Strauß Wiesenblumen auf dem Tisch oder pflegende Arnikasalbe auf der Haut - "zurück zur Natur" liegt seit Jahren im Trend. Aber viele Pflanzen sind nicht so harmlos, wie es scheint. Sie können schmerzhafte allergische Hautreaktionen auslösen.

Über 300 Pflanzenarten sind als allergieauslösend bekannt. Menschen, die oft und intensiv mit ihnen in Berührung kommen, sind besonders gefährdet, eine Kontaktallergie zu erwerben. Bei Gärtnern und Floristen sind Chrysanthemen, Tulpen und Primeln häufig die Auslöser einer beruflich bedingten Hauterkrankung. Auf dem Blumengroßmarkt in Hamburg leiden beispielsweise rund 30 Prozent der Beschäftigen an einer Kontaktallergie auf Chrysanthemen. "In einigen Fällen kann die Allergie so schwerwiegend sein, dass die Betroffenen ihren Beruf wechseln müssen", erklärt Professor Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA).

Alle, die sich in ihrer Freizeit mit Pflanzen beschäftigen oder zu Hause häufig mit Pflanzen in Berührung kommen, sind ebenfalls gefährdet. Auf Primeln reagieren Hobbygärtner und Hausfrauen inzwischen sogar sieben mal häufiger mit schmerzhaften Hautreaktionen als Angestellte in Pflanzenbetrieben. Das in Primeln enthaltene Primin ist eines der stärksten Allergene in Zierpflanzen. Aber auch auf Artischocken, Knoblauch, Gift-Efeu und den Gemeinen Efeu sind vereinzelt allergische Hautreaktionen bekannt.

Doch nicht nur der direkte Kontakt mit Zier- und Nutzpflanzen kann eine Allergie auslösen. Seit einigen Jahren setzen viele Kosmetikhersteller auf pflanzliche Inhaltsstoffe und in der Alternativmedizin werden Pflanzen und Pflanzenauszüge als harmlose Heilmittel propagiert. Viele Shampoos, Cremes, Salben und Tinkturen enthalten jedoch Pflanzenbestandteile mit hohem, allergenem Potenzial wie Arnika, Kamille, Schafgarbe und Teebaumöl. Der in Naturheilmitteln als Balsamum peruvianum gekennzeichnete Perubalsam steht in der Rangliste der allergieauslösenden Produkte bereits an dritter Stelle.

Allergische Hautreaktionen zeigen sich erst nach Stunden oder Tagen. Die Symptome reichen von juckenden Hautrötungen, brennenden Schwellungen und nässenden Bläschen bis hin zu schmerzhaften Entzündungen. Sie sind das Resultat einer Immunreaktion des Körpers, die durch den Kontakt des Allergens mit so genannten Langerhanszellen in der Haut ausgelöst wird.

"Durch den anhaltenden Wellness- und Öko-Boom kommen immer mehr Menschen in direkten Hautkontakt mit Pflanzen und Pflanzenextrakten", erklärt Professor Björn Hausen, der am Dermatologischen Zentrum des Elbeklinikums Buxtehude allergene Pflanzen untersucht. Noch fehlen exakte Zahlen, wie viele Menschen an einer Kontaktallergie durch Pflanzen leiden. Nach vorsichtigen Schätzungen sind es etwa zwei Prozent der Bevölkerung. "Die Dunkelziffer ist jedoch hoch", betont Hausen, "denn häufig werden allergische Reaktionen auf Pflanzen von Laien übersehen. Wir rechnen damit, dass die Bedeutung von Allergien gegenüber Pflanzen zunehmen wird, besonders wenn weiterhin stark allergene Pflanzen wie Primeln oder Produkte wie Teebaumöl an Popularität zunehmen."

Bei auffallenden Hautveränderungen rät der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) einen allergologisch ausgebildeten Facharzt aufzusuchen. Er hat nicht nur Medikamente zur Linderung der Beschwerden parat, sondern er kann auch herausfinden, ob eine allergische Reaktion vorliegt und bei positivem Testergebnis eine wirksame Therapie verordnen.

Ist eine Allergie auf Pflanzen bekannt, sollte man den Kontakt mit den Auslösern in Zukunft meiden. Dabei ist auch auf die Inhaltsstoffe von Kosmetika und mögliche Kreuzreaktionen zu achten. So kann beispielsweise das Spielen von Flöten aus Palisander oder Cocoboloholz bzw. das Tragen von Schmuck aus Teakholz bei einer bereits bestehenden Primelallergie schmerzhafte Hautentzündungen auslösen.

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