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28.11.2004 Allergisch gegen Parfüm


Bestimmte Duftstoffe sind nach Nickel die häufigste Ursache einer Kontaktallergie. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland reagieren allergisch auf wohlriechende Substanzen. Die Symptome: rauhe, gerötete oder schuppende Haut und Juckreiz. Wenn der Kontakt mit dem Allergieauslöser (Allergen) länger anhält, können Bläschen, Knötchen und schmerzhafte Einrisse auftreten. Die wichtigste Maßnahme gegen Kontaktallergien ist es, den Kontakt mit den Allergieauslösern zu meiden. Menschen mit einer Duftstoffallergie haben es aber nicht leicht: Allergieauslösende Duftstoffe wie Isoeugenol, Zimtaldehyd, im Perubalsam enthaltene Stoffe oder Terpente werden heutzutage vielen Kosmetika und Haushaltsreinigern zugesetzt und können auch in Lebensmitteln, Getränken und Tabak enthalten sein. Eine Überprüfung der Zeitschrift Öko-Test" ergab 2002, dass 22 der 25 getesteten Markenparfüms mindestens einen Allergie auslösenden Duftstoff enthielten(1).
Bei Verdacht auf eine Duftstoffallergie sollten die Auslöser von einem auf Allergien spezialisierten Arzt festgestellt werden. Dazu wird bei den Betroffenen ein Hauttest mit einem Duftstoff-Mix, einer Mischung verschiedener allergener Duftstoffe, durchgeführt. Die Behandlung einer akuten Duftstoffallergie ist eigentlich nicht schwierig, denn uns stehen wirksame Arzneimittel dafür zur Verfügung", sagt Professor Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA). Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass es gar nicht erst zu einer Allergie kommt. Deshalb sollten Kosmetikprodukte möglichst keine allergieauslösenden Substanzen enthalten. Ist es bereits zu einer Kontaktallergie gekommen, muss die Ursache von einem allergologisch ausgebildeten Arzt festgestellt und Produkte mit den auslösenden Substanzen zukünftig gemieden werden."

Deklarationspflicht schützt Allergiekranke nicht ausreichend
Nachdem die Häufigkeit von Duftstoffallergien jahrelang anstieg, kann seit 1999 ein leichter Rückgang verzeichnet werden. Das zeigte eine Studie(2) des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK). Privatdozent Dr. Axel Schnuch, Leiter der Zentrale des IVDK an der Hautklinik Göttingen, sagt: Möglicherweise lassen sich die rückläufigen Erkrankungszahlen auf die präventiven Bemühungen von Hautärzten und Allergologen zurückführen, die darauf abzielen, dass stark allergisierende Stoffe, wenn überhaupt, nur noch in geringer Konzentration eingesetzt werden. Dies heißt aber nicht, dass das Problem gelöst wäre: Duftstoffallergien sind nach wie vor zu häufig!" Seit dem 1. Juli 2004 müssen EU-weit 26 allergene Duftstoffe auf den Verpackungen von Kosmetika deklariert werden. Dadurch können Allergiekranke vor dem Kauf kontrollieren, ob ein Stoff enthalten ist, auf den sie mit Hautproblemen reagieren. Leider bietet die neue Bestimmung Allergiekranken keinen vollständigen Schutz, denn viele Duftstoffe werden weiterhin nicht genau deklariert: Ein Parfüm enthält manchmal hunderte verschiedener Duftstoffe, die auf den Packungen nicht einzeln aufgeführt werden können. Schnuch kritisiert außerdem, dass die 26 Duftstoffe auf der EU-Liste nicht in allen Fällen zu denen gehören, die der IVDK in Untersuchungen an über 60.000 Patienten als relevante Allergieauslöser identifiziert hat. So enthält die EU-Liste auch Duftstoffe, die bisher kaum zu Allergien geführt haben, obwohl sie sehr häufig in Kosmetika enthalten sind. Aus unseren Untersuchungen wissen wir andererseits, dass neue Substanzen, die nicht in der EU-Liste enthalten sind, als Allergene problematisch werden können", sagt Schnuch. Die Produktbewertungen der Zeitschrift ÖKO-TEST orientieren sich inzwischen an den Ergebnissen des IVDK: Stark allergisierende Duftstoffe führen zu einem schlechteren Testergebnis, während Stoffe, die als Allergene keine große Rolle spielen, das Testergebnis nicht beeinflussen - auch wenn sie auf der EU-Liste stehen.

  1. ÖKO-TEST 12/2002 S. 52-56.
  2. Arvidsson MB, Löwhagen O, Rak S: Allergen specific immunotherapy attenuates early and late phase reactions in lower airways of birch pollen asthmatic patients: a double blind placebo-controlled study. Allergy 2004;59:74-80.
  3. Schnuch A, et al.: Contact allergy to fragrances: frequencies of sensitization from 1996 to 2002. Results of the IVDK. Contact Dermatitis 2004;50:65-76.
  4. ÖKO-TEST 7/2004, S. 55-57.

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