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13.09.2007 Keine Chance den Gräserpollen


Rund acht Millionen Gräserpollenallergiker in Deutschland 
Keine Chance den Gräserpollen

Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung leidet an Heuschnupfen. Davon reagiert ungefähr die Hälfte allergisch auf Gräserpollen. Diesen Allergikern steht im Sommer oft eine monatelange Leidenszeit bevor. “In diesem Jahr begann der erste starke Gräserpollenflug bei uns in Freiburg bereits am 18. April. Etwa zwei bis drei Wochen früher als in den letzten Jahren", sagt der Medizin-Meteorologe Dr. Klaus Bucher vom Deutschen Wetterdienst in Freiburg. Als “stark" wird der Pollenflug dann bezeichnet, wenn die Pollenanzahl 30 pro Kubikmeter Luft oder mehr beträgt. Bucher zufolge habe sich der Gräserpollenflug schon vor Jahren auf eine relativ lange Periode von über vier Monaten eingependelt. Meistens endet die Gräserpollensaison erst im August. “Aufgrund der ausgedehnten Blühzeit müssen Heuschnupfenkranke mit lang anhaltenden Symptomen rechnen", so Professor Karl-Christian Bergmann, Allergologe an der Berliner Charité und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). “Viele Gräserallergiker zeigen bereits jetzt zum Sommerbeginn schwere allergische Reaktionen. Immer aggressiver werdende Pollen könnten der Grund hierfür sein. Die Pollenzahlen pro Kubikmeter Luft haben sich bisher nicht wesentlich verändert." Umweltschadstoffe wie Nitrate, Kohlendioxid oder Dieselstaub können eine Verbindung mit den Pollen eingehen. Das Immunsystem eines Allergikers reagiert darauf mit einer verstärkten entzündlichen Reaktion. Es produziert mehr für Allergien typische Botenstoffe, die wiederum typische Anzeichen von Heuschnupfen auslösen können: eine verstopfte oder ständig laufende Nase, häufige Niesanfälle, rote und juckende Augen sowie Müdigkeit und Kopfschmerzen. Unbehandelt kann sich die Erkrankung von den oberen Atemwegen in die unteren ausweiten (“Etagenwechsel"). Die Bronchien der Lunge entzünden sich und die Folge ist Asthma. Erstes Warnsignal hierfür ist häufig ein nächtlicher Hustenreiz. Bei vermehrt auftretendem Hustenreiz sollte ein Facharzt aufgesucht werden.Ratschläge für Heuschnupfengeplagte Die Behandlung von Heuschnupfen stützt sich auf drei Säulen: 

  • Vermeidung des Allergieauslösers
  • Symptomatische Behandlung allergischer Reaktionen
  • Durchführung der spezifischen Immuntherapie (SIT), bei der die Ursache der Allergie behandelt wird

Vollständig meiden können Pollenallergiker die Allergene nicht. Gräserpollen verbreiten sich über viele Kilometer in der Luft und bleiben an Kleidung und Haaren kleben. Um die Belastung für den Körper so gering wie möglich zu halten, sollten Betroffene folgende Regeln beachten: 

  • Haare abends waschen Kleidung nicht im Schlafzimmer wechseln
  • Pollenfilter im Auto installieren
  • Pollenschutzgitter an den Fenstern anbringen
  • Tageszeitenabhängiger Aufenthalt im Freien

“Vor allem vormittags und mittags sollten Gräserpollenallergiker sich in Gebäuden aufhalten. Um diese Tageszeit ist die Allergenbelastung häufig am stärksten. Das Anbringen eines Pollenschutzgitters am Fenster ist sehr sinnvoll. Seine getestete Hemmwirkung liegt bei 97 Prozent," weiß Professor Bergmann von der DGAKI. 
Über den täglichen Pollenflug informieren regionale Pollenflugvorhersagen (Radio, Fernsehen, Zeitungen). Allergiker finden außerdem Hinweise im Internet unter

Gegen die Symptome des Heuschnupfens wirken Antihistamintabletten und kortisonhaltige Nasensprays. Betroffene sollten für eine geeignete Therapie einen allergologisch ausgebildeten Facharzt aufsuchen. “Kortison ist stark entzündungshemmend und lässt die Nasenschleimhaut abschwellen. Und keine Angst: Das Medikament gelangt nicht in den gesamten Körper. Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten", beruhigt Professor Claus Bachert, Vorstandsmitglied der DGAKI und Leiter der HNO-Universitätsklinik Gent in Belgien. 
Spezifische Immuntherapie beugt Asthma und neuen Allergien vor
Antihistamintabletten und Nasensprays behandeln lediglich die Symptome des allergischen Schnupfens. Einzige ursächlich wirkende Behandlungsmöglichkeit ist derzeit die spezifische Immuntherapie ­ auch Hyposensibilisierung oder Allergietherapie genannt. Die Folge ist ein weniger empfindliches Immunsystem. So hatten Kinder, die über drei Jahre Spritzen mit Gräserpollen-Allergenen erhielten, bis zu zwölf Jahre lang sehr viel geringere allergische Symptome als zuvor.(1) Darüber hinaus verhindert eine SIT bei jedem zweiten Kind einen Etagenwechsel zum allergischen Asthma.(2) Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen reduziert die Immuntherapie weiterhin die Entstehung neuer Allergien. Dies belegt eine Studie mit 6.750 Patienten zwischen zwölf und 46 Jahren.(3) 
Innovation in der Allergietherapie: Die Gräser-Impf-Tablette
Seit November 2006 steht als innovative Darreichungsform eine Gräser-Impf-Tablette zur Verfügung. Sie enthält Allergene des Wiesenlieschgrases (Phleum pratense) und wird einmal täglich unter die Zunge gelegt. Das Hauptallergen aus Wiesenlieschgras-Pollen ist sehr ähnlich dem anderer Gräser wie Honig-, Hundszahn-, Rispen-, Knäuel-, Ruch- und Straußgras und Roggen. “Patienten, die mit der Impf-Tablette therapiert wurden, sind deshalb auch gegen andere Gräser- und Roggenpollen gewappnet," sagt Professor Bachert von der DGAKI. Für eine optimale Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie empfiehlt er auch hier eine drei bis fünf jährige Behandlung bei einem Allergologen. “Die Gräser-Impf-Tablette kann als Basisterapie einfach zu Hause angewendet werden", so Bachert. “Die Patienten müssen die Tablette einmal täglich einnehmen. Sie können den Zeitpunkt selbst wählen." Die Einnahme muss jedoch immer zur gleichen Zeit erfolgen.

  1. Eng PA et al.: Twelve-year follow-up after discontinuation of preseasonal grass pollen immunotherapy in childhood. Allergy 2006 Feb; 61(2):198-201
  2. Valovirta E, et al.: A 3-year course of subcutaneous specific immunotherapy results in long-term prevention of asthma in children. 10-year follow-up on the PAT study. J Allergy Clin Immunol (2006), 117, No 3: page 721
  3. Marogna M et al.: The type of sensitizing allergen can affect the evolution of respiratory allergy. Allergy 2006 Oct; 61(10):1209-15
  4. Asero R: Pollen specific immunotherapy is not a risk factor for de novo sensitization to cross-reacting allergens in monosensitized subjects. J Investig Allergol Clin Immunol. 2006; 16(4):253-7


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Dr. Petra von der Lage
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