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13.12.2007 Scheidungskinder leiden häufiger unter Neurodermitis


Die Häufigkeit allergischer Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Inzwischen leiden 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung an einer dieser Krankheiten.(1) Vor allem bei Kindern kommt Neurodermitis häufig vor. Das stark juckende Ekzem tritt meistens schon vor dem zweiten Lebensjahr erstmals auf. Angesichts der hohen Zahl allergiekranker Kinder sind Maßnahmen zur Vorbeugung von Allergien wichtig. Neue Untersuchungen zeigen, dass nicht nur Muttermilch, allergenreduzierte Säuglingsnahrung und eine rauchfreie Umgebung dazu beitragen können, Kinder vor Allergien zu schützen, sondern auch eine gut funktionierende Beziehung der Eltern.

Seelischer Stress lässt Neurodermitis ausbrechenKinder, deren Eltern sich getrennt hatten, leiden dreimal so häufig unter Neurodermitis wie die Kinder von Eltern, die zusammenleben.(1) "Stress und psychische Probleme haben einen deutlichen Einfluss auf die Funktion des Immunsystems und können eine bestehende Neurodermitis verschlimmern", sagt Professor Dr. Torsten Schäfer von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). Der Lübecker Allergologe hat gemeinsam mit Kollegen aus ganz Deutschland Stressfaktoren in Form so genannter schwerer Lebensereignisse für Neurodermitis bei einer großen Anzahl von Kindern im Rahmen der so genannten LISA-Studie untersucht (Einfluss von Lebensbedingungen und Verhaltensweisen auf die Entwicklung von Immunsystem und Allergien im Ost-West-Vergleich).Schäfer und seine Kollegen analysierten die Auswirkungen von schweren Erkrankungen, Scheidungen und Arbeitslosigkeit in der Familie an 1.930 Kindern. Die Studie belegt: Kinder, deren Eltern sich getrennt hatten oder scheiden ließen, erkrankten deutlich häufiger an Neurodermitis. Die Arbeitslosigkeit eines Elternteils hatte dagegen keine Auswirkung auf das Neurodermitisrisiko der Kinder. Die schwere Erkrankung eines Familienmitgliedes schien sogar das Risiko für Neurodermitis zu senken. "Dieses Ergebnis war überraschend für uns, denn natürlich löst auch eine schwere Krankheit oder gar der Tod eines Angehörigen großen Stress aus", so Schäfer. "Möglicherweise lassen solche Erlebnisse die Familie näher zusammenrücken, so dass ein Kleinkind mehr soziale Aufmerksamkeit erhält, die sich günstig auswirkt." Allergievorbeugung schon bei Säuglingen wichtigSchon vor der Geburt eines Kindes lassen sich Aussagen darüber machen, ob das Kind später an einer Allergie erkranken wird. Das Allergierisiko hängt davon ab, ob Familienmitglieder Allergiker sind: Je mehr Familienmitglieder bereits an einer Allergie erkrankt sind, desto größer ist das Risiko. Für Kinder ohne allergiekranke Geschwister oder Eltern liegt es bei 15 Prozent. Ist ein Bruder oder eine Schwester allergisch, beträgt das Risiko bis zu 30 Prozent. Wenn nur ein Elternteil allergisch ist, erhöht sich das Risiko auf 40 Prozent. Sind beide Eltern hingegen allergiekrank, beträgt das Allergierisiko für die Kinder bis zu 60 Prozent. Und haben die Eltern gar die gleiche Allergie, also beispielsweise beide Heuschnupfen oder beide Neurodermitis, liegt das Risiko schon für das ungeborene Kind zwischen 60 und 80 Prozent.(2) In den ersten Lebensmonaten beeinflusst vor allem die Ernährung die Allergieentwicklung bei Säuglingen und Kleinkindern. Um Allergien vorzubeugen, sollten Säuglinge in den ersten sechs Monaten Muttermilch erhalten, während der ersten vier Monate sogar ausschließlich. Risiko-Kinder, die nicht oder nicht ausreichend gestillt werden können, sollten mit einer allergenreduzierten (hypoallergenen) Nahrung ernährt werden.Ein weiterer Ansatz der Allergieprävention könnte die Gabe von Präparaten mit probiotischen Bakterien sein, die bei Einnahme in den letzten Wochen der Schwangerschaft und in den ersten sechs Monaten nach der Geburt die Neurodermitisrate senken können. Dieser Effekt zeigte sich jedoch bislang nur in einer Studie und muss noch bestätigt werden. Rauchen macht Kinder allergiekrank Ein absolutes Muss ist jedoch nach wie vor der Verzicht auf jegliche Passivrauchbelastung der Kinder. Die Wohnung der Familie sollte eine absolut rauchfreie Zone sein. "Es genügt nicht, nur in der Gegenwart der Kinder auf das Rauchen zu verzichten", betont der Erste Vorsitzende der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), Professor Dr. Carl-Peter Bauer aus Gaißach. "Auch der Zigarettenrauch im Wohnzimmer oder in der Küche kann dem im Kinderzimmer schlafenden Kind schaden." Nach Einschätzung des Ersten Vorsitzenden der GPA sind zur Allergieprävention bei Kindern mit erhöhtem Allergierisiko folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Ein erhöhtes Allergierisiko definiert sich über die familiäre Allergiebelastung: Vater, Mutter, Geschwisterkind; mindestens ein Familienmitglied betroffen.
  • Die beste Milchnahrung in den ersten sechs Monaten ist die Muttermilch.
  • Verzicht auf Passivrauchbelastung.
  • Es wird derzeit weder für die Schwangerschaft noch für die Stillzeit empfohlen, dass die Mutter eine bestimmte Diät einhält. Nur wenn die Mutter an einer Nahrungsmittelallergie leidet, sind die relevanten Nahrungsmittel natürlich zu vermeiden.
  • Beginn mit Beikost erst im fünften oder sechsten Lebensmonat. Diese sollte möglichst über ein geringes Sensibilisierungspotential verfügen. Geeignet sind beispielsweise Reis, Karotten, Kartoffeln, Birnen und Äpfel. Während des ersten Jahres sollte auf Nahrungsmittel wie Eier, Zitrusfrüchte und Nüsse verzichtet werden.
  • Bei nicht gestillten oder teilgestillten Säuglingen mit erhöhtem Allergierisiko wird ausschließlich die Verwendung von Hydrolysatnahrungen (eHF oder pHF) empfohlen, die auch in klinischen Präventionsstudien untersucht wurden.
  • Offen ist die Frage, ob eine Ernährung mit Hydrolysatnahrungen nach dem sechsten Lebensmonat aus präventiven Gründen sinnvoll ist. Dazu liegen bisher keine Studien vor.
  • Die Frage, ob eine alimentäre Prävention nicht nur für Risikokinder, sondern für alle Kinder zu empfehlen ist, sollte durch weitere Studien geklärt werden.
  • Die Hinweise auf die Bedeutung von Probiotika für die Prävention allergischer Erkrankungen stellen einen interessanten Ansatz dar, müssen jedoch vor einer allgemeinen Empfehlung weiter überprüft werden.


  1. Bockelbrink A, et al; the LISA Study Group: Atopic eczema in children: another harmful sequel of divorce. Allergy 2006; 61(12): 1397 - 402.
  2. Borowski C, Schäfer T: Allergieprävention. Evidenzbasierte und konsentierte Leitlinie. Urban & Vogel GmbH, München 2005.


Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.

Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:
Pressekontakt ÄDA / DGAKI / GPA
Dr. Petra von der Lage
Schulterblatt 120
20357 Hamburg
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