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13.12.2007 Asthma durch Virusinfektionen bei Kindern


Das Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Die Häufigkeit dieser Atemwegserkrankung ist in den vergangenen Jahren angestiegen. In Deutschland leiden bis zu zehn Prozent der Kinder unter Asthma ­ Tendenz steigend.(1,2) Bei etwa 80 Prozent der asthmakranken Kinder im schulpflichtigen Alter lösen virale Erkältungsinfekte Asthmabeschwerden aus.(3,4) Dabei muss es sich nicht um einen großen Asthmaanfall handeln. Auch hinter den Symptomen einer Bronchitis, wie trockener, nächtlicher Reizhusten, kann sich das Bild eines Asthmas verbergen. "Die genaue Diagnose sollte ein allergologisch-erfahrener Kinder- und Jugendarzt stellen, da die Symptome auch auf andere Krankheiten, wie eine Lungenentzündung, deuten können", sagt Professor Dr. Carl-Peter Bauer, Vorstandvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Bei der erst 2,5-jährigen Alina stellte der Hausarzt zunächst eine schwere Erkältung mit Husten und Fieber fest. Bald registrierten die besorgten Eltern, dass ihre Tochter zunehmend auch an Atemnot litt. Schnell brachten sie das verängstigte und sehr blasse Kleinkind in das Altonaer Kinderkrankenhaus, Hamburg. Dort diagnostizierten die Ärzte einen akuten Asthmaanfall, der durch einen Virusinfekt ausgelöst wurde. Sauerstoffzugabe und Inhalation eines bronchienweitenden Medikaments waren notwendig, damit sich der lebensbedrohliche Zustand von Alina besserte.Für die Behandlung der Symptome des Asthmas stehen mehrere inhalative Arzneimittel zur Verfügung: So genannte Betamimetika, die sehr schnell bronchienweitend wirken und entzündungshemmende Kortisonpräparate. "Bei einem akuten Asthmaanfall kann auch die kurzfristige Anwendung eines oralen Kortisonpräparates ­ beispielsweise in Tabletten- oder Saftform ­ nötig sein", so der Kinderallergologe Bauer aus Gaißach.Mittlerweile konnten die Eltern Alina, nach einem dreitägigen stationären Aufenthalt in der Kinderklinik, wieder munter mit nach Hause nehmen.
 
Gute und schlechte Viren
Bestimmte Viren- und Bakterienprodukte können das Risiko einer allergischen Sensibilisierung der Atemwege reduzieren. Häufige Infektionen in den ersten zwei Lebensjahren durch Ansteckung bei älteren Geschwistern (Geschwistereffekt) oder regelmäßiger Kontakt zu Stallungen und Tieren (Bauerneffekt) trainieren das Immunsystem: Die Erreger stimulieren bestimmte Blutzellen der Immunabwehr, so genannte T-Lymphozyten. T-Helferzellen (TH-Zellen) lösen dann eine TH-1-Immunantwort aus, der eine vor Allergenen schützende Funktion zugeschrieben wird. Auch das während einer Virusinfektion gebildete Interferon-a (IFN-a), ein Protein mit antiviraler Wirkung, kann über die Bildung von IFN-g in einer starken Antwort von TH-1-Zellen resultieren.(5) Für allergisch sensibilisierten Menschen ist eine verstärkte TH-2-Antwort typisch.(6) "Häufige Erkältungen im Kleinkinderalter schützen vermutlich durch die TH-1-Immunantwort auch später vor allergischem Asthma", erklärt Professor Bauer aus Gaißach.

Es gibt jedoch auch Viren, die eine allergische Entzündung der Bronchialschleimmhaut sogar begünstigen: Häufigster Erreger von Erkältungen bei Kindern im schulpflichtigen Alter sind Rhinoviren (RV). Sie sind an 60 Prozent der Atemwegsinfektionen beteiligt.(7) Bei Kleinkindern unter zwei Jahren löst dagegen oft das Respiratory Syncytial Virus (RSV) mit einem Anteil von 50-60 Prozent Infektionen aus.(8,9) Im Tiermodell konnte bereits gezeigt werden, dass TH2-Zellen während und nach Abklingen einer RSV-Infektion vermehrt den körpereigenen Botenstoff Interleukin-5 produzieren. Dieser Botenstoff kann eine Entzündung der Atemwege auslösen und so zu einem allergischen Asthma führen. Auch eine verminderte, von Viren ausgelöste INF-a-Ausschüttung erhöht die allergische Bereitschaft des Lungengewebes, da die schützende TH-1-Antwort durch das Fehlen des Botenstoffes nicht angeregt wird. Kinder mit allergischem Asthma weisen eine signifikant geringere Menge an IFN-a im Blut auf als gesunde.(4) Der Grund hierfür ist aber noch nicht bekannt. Neben RSV- und RV-Viren konnten Wissenschaftler weitere Viren identifizieren, die an einer Asthmaerkrankung beteiligt sind. Bakterielle Atemwegsinfektionen hingegen haben scheinbar keinen negativen Einfluss auf das bronchiale System.(9)

Zigarettenqualm und Stress fördern Infektionsasthma bei Kindern Tabakrauch exponierte Kinder und Kinder mit verminderter Lungenfunktion oder Allergien tragen ein besonders hohes Risiko, aufgrund einer Virusinfektion Asthmasymptome zu entwickeln. Auch Scheidung, Alkoholismus und Gewalterfahrungen können eine Verengung der Atemwege begünstigen. "Um ein Infektionsasthma nach einer Erkältung vorzubeugen, sollten Eltern Risikofaktoren wie das Rauchen in der Wohnung vermeiden", empfiehlt der Kinderallergologe Bauer.In Zukunft könnten präventive Maßnahmen eine "TH-1-Therapie" und eine Impfung gegen Asthma auslösende Viren umfassen. Damit Ärzte zukünftig gezielt Asthmaanfälle vorbeugen können, wollen Forscher herausfinden, welche Viren-Subtypen genau für ein Infektionsasthma verantwortlich sind: Erst seit kurzem können Wissenschaftler aus Kalifornien, USA, eine große Virenzahl auf einmal identifizieren, die vermehrt bei Patienten mit Infektionen und Asthma vorkommen.(10)

  1. ISAAC steering Committee: Worldwide variation in prevalance of symptoms of asthma, allergic rhinoconjunctivitis, and atopic eczema: ISAAC. Lancet 1998;351:1225-1232
  2. Asher MI, et al.: Worldwide time trends in the prevelance of symptoms of asthma, allergic rhinoconjunctivitis, and eczema in childhood: ISAAC phases one and three repeat multicountry cross-sectional surveys. Lancet 2006;368:733-743
  3. Johnston SL, et al.: Community study of role of viral infections in exacerbations of asthma in 9-11 yeahr old children. BMJ 1995;310:1225-1229
  4. Bufe A, et al.: Atopic Phenotype in Children Is Associated with Decreased Virus-Induced Interferon-a Release. Int Arch Allergy Immunol 2002;127:82-88
  5. Chauhan AJ, et al.: Personal exposure to nitrogen dioxide (NO2) and the severity of virus-induced asthma in children. Lancet 2003;361:1939-1944
  6. Schwarze J: Der Einfluss von Infektionen auf die Entstehung von Asthma bronchiale im Kindesalter (Übersicht). Pneumologie 2000;54:401-406
  7. Johnston SL, et al.: The association of upper respiratory infections with hospital admissions for asthma in adults and children: a time trend analysis. Am J Resp Crit Care Med 1996;154:654-660
  8. Johnston SL: The role of viral and atypical bacterial pathogens in asthma pathogenesis. Pediatr Pulmonol 1999; Supp 18:141-143
  9. McIntosh K, et al.: The association of viral and bacterial respiratory infections with the exacerbation of wheezing in young asthmatic children. J Pediatr 1973;82:578-590
  10. Kistler A, et al.: Pan-viral screening of respiratory tract infections in adults witz and without asthma reveals unexpercted human coronavirus and human rhinovirus diversity. J Infect Dis. 2007 Sep15; 196(6):817-25

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