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13.09.2007 Allergie führt häufig zu allergischem Asthma bei Kindern


Kleine Milben mit großer Wirkung - In Deutschland sind 17,5 Prozent der Bevölkerung von einer Hausstaubmilbenallergie betroffen. Europaweit sind es sogar 21,7 Prozent.(1) Vor allem Kinder leiden häufig unter einer Milbenallergie. Bereits jedes fünfte Kind ist sensibilisiert.(2) Jeden Tag sind die Kleinen den Allergenen ausgesetzt. Die meisten Kinder verbringen bis zu 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen, wo sich auch Milben Wohlfühlen Kinder im schulpflichtigen Alter halten sich beispielsweise auch täglich mehrere Stunden in der Schule auf. Eine Studie von 2006 zeigt, dass die ermittelte Menge des Milbenallergens Der p 1 in einigen Schulräumen bis zu 68 Prozent über dem Sensibilisierungs-Grenzwert lag.(3) 
Die größte Belastung für Milbenallergiker beginnt mit der kalten Jahreszeit und der Heizperiode in Innenräumen. Durch die geringe Luftfeuchtigkeit sterben viele der winzigen Spinnentierchen. Doch der Milbenkot und damit der eigentlichen Allergieauslöser klebt fest am Hausstaub. Dieser wirbelt in der trockenen Luft leicht auf und wird eingeatmet. Dann kann das Allergen sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern Fließschnupfen, Niesen, Husten oder gar ein allergisches Asthma auslösen. Betroffene mit Neurodermitis berichten häufig von einer Verschlechterung ihres Hautbildes und einem sehr starken Juckreiz der betroffenen Stellen.(4)

Luftverschmutzung verstärkt allergisches Asthma und Neurodermitis
Luftschadstoffe können ein allergisches Asthma verschlimmern. Kleine Kinder sind besonders gefährdet zu erkranken, da die Schadstoffkonzentration in Bodennähe am größten ist. "Allergene bleiben an Dieselrußpartikeln oder anderen Schadstoffen haften, werden eingeatmet und gelangen in die Bronchien der Lunge. Dort kann die Verbindung aus Allergenen und Schadstoffen eine allergische Reaktion des Lungengewebes verstärken und ein Asthma auslösen", sagt Professor Dr. Heidrun Behrendt, Expertin für Umweltmedizin von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). "Einen Asthmaanfall können Eltern bei ihren Kindern daran erkennen, dass zum Beispiel Luftnot, pfeifende Atemgeräusche oder Hustenanfälle auftreten." Hat ein Arzt bereits eine Asthmaerkrankung festgestellt, sollte ein Notfallspray mit einem Bronchien erweiternden Medikament immer griffbereit sein. Jetzt gibt es Hinweise darauf, dass organischen Verbindungen in der Luft auch die natürliche Hautbarriere angreifen. Sind Neurodermitikern mit einer bestehenden Hausstaubmilbenallergie dem Allergen Der 1 p ausgesetzt, so kann die zusätzliche Belastung einen Krankheitsschub auslösen.(5) "Charakteristisch ist ein quälender Juckreiz sowie eine gerötete, entzündete oder schuppige Haut," erklärt die Allergologin Behrendt.

Spezifische Immuntherapie bessert Milbenallergie
Ein allergischer Schnupfen aufgrund von Milbenallergenen kann sich ohne Behandlung auf die unteren Atemwege ausbreiten. Die Folge ist Asthma. Mit einer so genannten spezifischen Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt, kann die Allergie auf Hausstaubmilben auch schon bei Kindern ursächlich behandelt werden.(6) Der Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Carl-Peter Bauer, Erster Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), rät Eltern deshalb, mit ihren Kindern frühzeitig einen Allergologen aufzusuchen. "Eine spezifische Immuntherapie hilft langfristig gegen die Milbenallergie und die Entstehung eines Asthmas bronchiale", so Bauer. Die so genannte PAT-Studie konnte zeigen, dass eine Immuntherapie das Risiko, aufgrund einer Allergie an Asthma zu erkranken, um etwa die Hälfte reduziert.(7) Bei einer SIT gegen die Milbenallergie werden molekular standardisierte Präparate mit Hausstaubmilben-Allergenen in langsam ansteigender Dosis regelmäßig unter die Haut gespritzt. Dadurch gewöhnt sich der Körper an den Allergieauslöser, und das Immunsystem reagiert kaum mehr mit einer Abwehrreaktion. Für Kinder sind auch Allergenlösungen, die sie unter die Zunge tropfen können, geeignet.
Um die Beschwerden während der Wintermonate so gering wie möglich zu halten, bleibt neben der ursächlichen Behandlung durch eine SIT nur, dem Allergen aus dem Weg zu gehen. Dafür empfehlen Allergologen unnötige Staubfänger besonders aus dem Schlafzimmer zu verbannen, häufig Staub zu saugen oder zu wischen. Außerdem sollte eine regelmäßige Stoßlüftung von Räumen erfolgen. Des Weiteren sollten Milbenallergiker die Bettwäsche am besten jede bis jede zweite Woche waschen und Matratzen einmal jährlich reinigen lassen. Auch besteht die Möglichkeit, spezielle milbendichte Bezüge (Encasings) für Kissen, Decken und Matratzen in Apotheken zu erhalten.

  1. Bousquet PJ et al.: Prevalence of positive skin tests to environmental aeroallergens in the European Community Respiratory Health Survey I. Allergy 2007;62:301-309
  2. Symposium zur Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland; Robert Koch-Institut, 25. September 2006 in Berlin. Im Internet: www.kiggs.de/experten/downloads/dokumente/Allergien_Schlaud.pdf
  3. Stuart L, et al.: Allergens in School Settings: Results of Environmental Assessments in 3 City School Systems. J Sch Health. 2006; 76(6):246-249
  4. Werfel T, Kapp A: Environmental and other major provocation factors in atopic dermatitis. Allergy 1998;53:731-9
  5. Huss-Marp J, et al.: Influence of short-term exposure to airborne Der p 1 and volatile organic compounds on skin barrier function and dermal blood flow in patients with atopic eczema and healthy individuals. Clin Exp Allergy 2006 Mar;36(3):338-45.
  6. Bergmann KC, Albrecht G, Fischer P. Atemwegsallergiker in Deutschland. Ergebnisse der Studie Allergy ­ Living & Learning. Allergologie 2002; 3: 137-146
  7. Möller Ch et al.: Pollenimmunotherapy reduces the develpment of asthma in children with seasonal rhinoconjunctivitis (the PAT-Study). J. Allergy Clin. Immunol. 2002;109:251-156


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