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06.11.2003 Erdnuss-Allergie durch Baby-Öl


Eine Erdnuss-Allergie kann zu schweren allergischen Reaktionen führen und im schlimmsten Fall sogar einen lebensgefährlichen allergischen Schock verursachen. Doch wie entsteht eine Erdnuss-Allergie überhaupt? Eine aktuelle Studie aus England hat mögliche Ursachen an 13.971 Kindern untersucht. Ein überraschendes Ergebnis der Studie ist, dass Erdnuss-Öl in Pflegecremes eine Erdnuss-Allergie bei Kindern verursachen kann. Von den 49 Kindern die eine Erdnuss-Allergie hatten, wurden 84 Prozent als Babys mit Cremes gepflegt, die Erdnuss-Öl enthielten. Bei keinem dieser Kinder konnte ein hoher Verzehr von Erdnüssen als Ursache der Allergie ausgemacht werden. Als weitere Risikofaktoren kristallisierten sich eine familiären Veranlagung für Allergien und die Ernährung mit Sojamilch heraus. Soja und Erdnuss gehören zu derselben Pflanzenfamilie.
"Wir wissen noch nicht genau, wie die Entwicklung von Allergien, zum Beispiel gegen Erdnüsse, bei Kindern verhindert werden kann. Es ist aber auf jeden Fall empfehlenswert, Säuglinge mindestens ein halbes Jahr zu stillen und Kindern nicht zu früh Lebensmittel zu geben, die leicht zu Allergien führen. Dazu gehören beispielsweise Erdnüsse, Hühnereier und Sellerie", rät Professor Dr. Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). Eine Nahrungsmittel-Allergie kann sich durch eine Vielzahl von Symptomen bemerkbar machen. Dazu gehören Juckreiz, Rötung, Quaddeln, Ekzeme, Schnupfen, Asthma, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall. In schweren Fällen kann ein allergischer Schock mit Kreislaufversagen auftreten, der lebensbedrohlich ist.

Allergieauslösende Nahrungsmittel meiden!
Die Diagnose von Nahrungsmittel-Allergien ist oft nicht einfach. Wir nehmen täglich unzählige Substanzen in den verschiedensten Kombinationen zu uns. Welche davon Ursache der allergischen Symptome ist, kann nur ein auf Allergien spezialisierter Facharzt unter Berücksichtigung der Vorgeschichte und verschiedener Tests herausfinden. Wichtigste Maßnahme um allergische Reaktionen zukünftig zu verhindern ist es, die auslösenden Nahrungsmittel zu meiden. Bei schweren Fällen verordnet der Allergologe Notfall-Medikamente, die der Allergiekranke vorsichtshalber immer bei sich haben sollte. Wissenschaftler forschen bereits an einer Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, SIT) gegen Erdnuss-Allergien. Diese Therapie wird seit Jahren bei der Behandlung von Heuschnupfen, Insektengift- und Hausstaubmilben-Allergien eingesetzt und ist bei über 90 Prozent der Patienten erfolgreich. Positiver Nebeneffekt einer Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen ist, dass so genannte Kreuzallergien gegen Nahrungsmittel gebessert werden können. Als Kreuzallergie wird zum Beispiel die allergische Reaktion auf Äpfel bei einem Pollenallergiker bezeichnet.

Winzige Erdnuss-Spuren können eine allergische Reaktion auslösen
Eine Studie aus den USA hat festgestellt, dass es bei fast der Hälfte von über 4.000 befragten Erdnuss-Allergikern innerhalb eines Jahres nach einer allergischen Reaktion erneut zu Symptomen kam. Dabei hatten die Allergiekranken sich bemüht, auf erdnusshaltige Nahrungsmittel zu verzichten. Der Rat, relevante Allergieauslöser zu meiden, ist also nicht leicht zu befolgen. Der Grund: Sogar vermeintlich erdnussfreie Lebensmittel können eine allergische Reaktion hervorrufen. Denn manchmal sind sie eben nicht wirklich erdnussfrei, sondern enthalten doch winzige Spuren von Erdnüssen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Schokoladenhersteller dieselbe Rührmaschine für erdnussfreie und erdnusshaltige Schokoladensorten verwendet. Der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) halten deshalb auf EU-Ebene eine genauere Kennzeichnung von Allergenen in Nahrungsmitteln für dringend erforderlich. "Die Schweiz ist das einzige europäische Land, in dem bereits eine Änderung der Deklarationsbestimmungen durchgeführt wurde. Für die EU wird endlich im Jahr 2004 eine Änderung der Deklarationsrichtlinie erwartet. Nach einer Übergangsfrist muss diese dann in den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden", erklärt Professor Dr. Stefan Vieths vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen. Die Änderung der EU-Deklarationsrichtlinie gilt für Zutaten, nicht jedoch für ungewollte minimale Verunreinigungen.
Dass bereits geringe Erdnuss-Mengen allergische Reaktionen hervorrufen können, erfuhr ein Skatspieler mit einer bekannten Allergie auf Erdnüsse am eigenen Leib. Seine Spielpartner hatten während des Kartenspiels Erdnüsse gegessen. Der Skatspieler aß oder berührte zwar selbst keine Erdnüsse, beleckte aber beim Austeilen der Karten seinen Daumen und bekam dadurch Kontakt mit winzigen Spuren des Allergieauslösers. Er musste das Skatspiel mit seinen Freunden abbrechen, weil er plötzlich unter heftigen allergischen Reaktionen litt.

Nahrungsmittel-Allergien sind relativ selten 
Nahrungsmittel-Allergien treten bei Kleinkindern mit einer Häufigkeit von ungefähr vier Prozent auf. Meistens sind Kuhmilch, Hühnerei, Soja, Weizen oder Erdnuss die Auslöser. Bei etwa drei Viertel der betroffenen Kleinkinder verliert sich die Nahrungsmittel-Allergie in den ersten Lebensjahren wieder. Viele dieser Kinder erkranken später aber an Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma. Bei Erwachsenen ist eine Nahrungsmittel-Allergie seltener als bei Kindern. Nur ungefähr zwei Prozent sind gegen Nahrungsmittel wie Erdnüsse, Hühnerei, Kuhmilch oder Fisch allergisch. An Bedeutung gewinnen Allergien gegen Sellerie, Nüsse oder Obst, die meistens als Kreuzallergie bei einer Pollenallergie auftreten. 

  • Lack, G. et al.: Factors associated with the development of peanut allergy in childhood. New England Journal of Medicine 2003;348:977-985.
  • Sicherer, S. H. et al.: A voluntary registry for peanut and tree nut allergy: characteristics of the first 5149 registrants. J Allergy Clin Immunol 2001;108:128-32.
  • Lepp, U., et al.: Playing cards as a carrier for peanut allergens. Allergy 2002;57:864.

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:Pressekontakt ÄDA / DGAIDr. Petra von der LageBodelschwinghstraße 1722337 HamburgTel.: 0 40 / 50 71 13 30Fax: 0 40 / 59 18 45

 


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