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06.11.2003 Allergie oder keine Allergie - das ist oft die Frage!


Naselaufen und Augenentzündung, Durchfall und Bauchschmerzen oder Hautausschlag und Juckreiz: Eine Vielzahl verschiedener Krankheitszeichen können auf eine allergische Erkrankung hinweisen. Allerdings können diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Das führt zum Beispiel dazu, dass eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten allzu leicht mit einer Nahrungsmittel-Allergie verwechselt wird. Auch der Zusammenhang zwischen Allergiesymptomen und ihren Auslösern kann falsch gedeutet werden. Bei Heuschnupfen-Symptomen im Sommer denken die Meisten zuerst an eine Allergie auf Gräserpollen. Vielleicht sind aber tatsächlich die zur gleichen Zeit umherfliegenden Sporen von Schimmelpilzen die Übeltäter.

Der Allergologe als Detektiv
Norbert Mülleneisen vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) erlebt in der Praxis häufig, dass Patienten überrascht reagieren, wenn er bei ihnen eine Allergie auf eine bestimmte Substanz feststellt. Sie selbst hatten oft gänzlich andere Auslöser für ihre quälenden Symptome vermutet. Doch auch der Facharzt braucht viel Erfahrung, um die Allergieauslöser eindeutig zu bestimmen. "Selbst wenn ein Allergietest positiv ausfällt, müssen die Ergebnisse sehr sorgfältig interpretiert werden. Manchmal ist es richtige Detektivarbeit, der Ursache für allergische Symptome auf die Spur zu kommen", erläutert Mülleneisen. Zu einer umfassenden allergologischen Diagnostik beim Facharzt gehören eine ausführliche Krankengeschichte, Hauttests, die Bestimmung von spezifischen Antikörpern im Blut und so genannte Provokationstests. "Ein erfahrener Arzt kann mit Hilfe dieser Tests feststellen, welche Allergieauslöser für den Patienten relevant sind und die geeignete Therapie auswählen", so Mülleneisen. Er schildert den Fall eines Allergiekranken, der im Sommer stets unter Heuschnupfen litt. Der Hauttest und die Blutuntersuchung zeigten eine positive Reaktion auf Gräser und Schimmelpilze. Der Allergologe führte zur Sicherheit eine so genannte nasale Provokation durch: Der Patient atmete in der Praxis nacheinander Allergene aus Gräserpollen und Schimmelpilz-Sporen durch die Nase ein. Nur die Allergieauslöser aus Schimmelpilzen führten zu den bekannten Symptomen. Dem Patienten konnte durch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit einem Schimmelpilz-Extrakt geholfen werden. Schon im nächsten Sommer war er beschwerdefrei.

"Allergien" auf Milch und Penicillin
Ein positiver Hauttest und die Blutuntersuchung beweisen also noch keine Allergie - ebenso wenig, wie ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Essen bestimmter Nahrungsmittel und allergieähnlichen Beschwerden. Beispielsweise vertragen fünf bis 15 Prozent der Menschen in Nordeuropa keine Milchprodukte, weil sie nicht in der Lage sind, den darin enthaltenen Milchzucker zu verdauen. Trinken sie trotzdem Milch, so kann es zu Unwohlsein und Durchfall kommen. Es handelt sich dabei aber nicht um eine Allergie, sondern um eine Unverträglichkeits-Reaktion. 
Auch Allergien auf Medikamente sind nicht immer das, was sie scheinen. Manchmal lässt sich eine langjährig vermutete Penicillin-Allergie durch die Beratung und Untersuchung bei einem Allergologen ausschließen. Wie Mülleneisen berichtet, glauben viele Patienten, an einer Penicillin-Allergie zu leiden, weil sie nach der Behandlung eines Pfeiffer'schen Drüsenfiebers mit Penicillin einen Hautausschlag bekamen. Pfeiffer'sches Drüsenfieber kommt sehr häufig vor. Die Erkrankung wird durch Viren ausgelöst und ähnelt einer schweren Mandelentzündung. Die Behandlung der Virusinfektion mit Penicillinen führt typischerweise zu Hautausschlägen. Viele der Betroffenen werden dann fälschlicherweise als "allergisch auf Penicillin" abgestempelt. In anderen Fällen einer vermuteten Medikamenten-Allergie kann der eigentliche Allergieauslöser ein Hilfsstoff sein, der dem Medikament beigefügt wurde. Diesen Patienten kann nach einer allergologischen Diagnostik und Umstellung auf ein anderes Präparat leicht geholfen werden.


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