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14.07.2003 Kontaktallergie - ein lebenslanger Begleiter


Allergien gegen Pflanzen-Kosmetik sind auf dem Vormarsch
Zurück zur Natur - immer mehr Menschen folgen diesem Trend und entscheiden sich für Salben, Cremes und Shampoos auf pflanzlicher Basis. Sie hoffen, dass diese Produkte besser verträglich sind, als das herkömmliche Sortiment. Auch die Industrie hat diesen Trend längst aufgegriffen und wartet mit einer großen Palette von entsprechenden Arzneien und Kosmetika auf. Leider halten Naturkosmetika und Kräutersalben nicht immer, was sie versprechen. Schon so mancher Verbraucher musste seine teure Pflanzenkosmetik entsorgen, weil sie juckende Knötchen anstelle der erhofften samtweichen Haut hinterlassen hatte. Meistens steckt hinter einer solchen unangenehmen Hautreaktion eine Kontaktallergie gegen die pflanzlichen Inhaltsstoffe des Kosmetikproduktes, ein so genanntes Kontaktekzem. Die Hautreaktionen reichen von Juckreiz und Rötungen bis hin zu großflächigen nässenden Ausschlägen. "Für viele ist es geradezu ein Schock, wenn anscheinend harmlose Pflanzenstoffe wie Teebaumöl oder Arnika eine lebenslange Kontaktallergie verursachen. Doch die Betroffenen haben Anlass zur Hoffnung. Zwar gibt es noch keine Heilung, aber der Facharzt kann die Symptome bessern und wertvolle Tipps geben, wie der allergieauslösenden Substanz künftig aus dem Wege gegangen werden kann", erläutert Professor Dr. Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). Kontaktallergien treten häufig auf: Inzwischen leidet ungefähr jeder Zehnte darunter. Spitzenplätze nehmen Nickel- und Duftstoffallergien ein, wobei Frauen weit häufiger betroffen sind als Männer.

Wenn Düfte das Leben schwer machen
Verschiedene Studien haben ergeben, dass ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung von einer Duftstoffallergie betroffen ist. Auslöser sind die in Pflanzen enthaltenen ätherischen Öle, die für die Herstellung von Kosmetika und Parfums verwendet werden. Am häufigsten treten Duftstoffallergien gegen Zimtöl, Eichenmoos und Nelkenöl auf. Diese Duftstoffe sind unter anderem in vielen Parfums, Deodorants, Kosmetika und Reinigungsmitteln enthalten. Duftstoffallergien können unterschiedlich schwer ausfallen. Manche Allergiker bekommen schon ein Ekzem, wenn das Waschmittel nur Spuren eines bestimmten Duftstoffes enthält. Andere reagieren nur bei direktem Hautkontakt sensibel. Obwohl es derzeit 13 verschiedene Duftstoffe mit einem hohen allergieauslösenden Potenzial gibt, besteht keine eindeutige Deklarationspflicht für duftstoffhaltige Produkte. Nach wie vor reicht die unspezifische Angabe "Duftstoffe" oder "Parfum" auf Verpackungen von Kosmetika und Haushaltsmitteln aus. Deshalb ist es für Menschen mit einer Allergie gegen einen bestimmten Duftstoff fast unmöglich, sich gezielt verträgliche Produkte auszusuchen. Sie müssen oft gänzlich auf duftstoffhaltige Produkte verzichten. Problematisch ist auch, dass die Zahl der Duftstoffe, auf die Menschen allergisch reagieren, offensichtlich steigt. So häufen sich die Fälle von allergischen Reaktionen gegen Lyral, einen synthetischen Duftstoff, der schon seit 30 Jahren in Parfums und Deodorants verwendet wird. Eine aktuelle Studie hat bestätigt, dass in Deutschland Patienten in nicht unbeträchtlicher Zahl gegen Lyral allergisch sind. Deshalb wird dieser Duftstoff jetzt standardmäßig bei Hauttests zur Aufdeckung von Kontaktekzemen eingesetzt. 

Beliebte Naturheilmittel und ihre Gefahren
Arnika (Arnica montana L), eine der wichtigsten und ältesten Heilpflanzen, gehört zu den stärksten pflanzlichen Kontaktallergenen. Arnika soll anregend, entzündungshemmend und wundheilend wirken. Deshalb sind die Inhaltsstoffe der Pflanze sowohl in zahlreichen zugelassenen Medikamenten als auch in Kosmetika, Zahnpasta, Shampoos etc. wiederzufinden. Kontaktallergien treten vor allem bei der Behandlung von Verletzungen und Verstauchungen mit Arnika-Tinkturen auf. Wenn Arnikaextrakt nicht ausreichend verdünnt wird, kann er sogar giftig wirken. 

Der Trendsetter unter den Ökosubstanzen ist Teebaumöl. Das Öl des aus Australien stammenden Teebaumes (Melaleuca alternifolia) wird fast als Wundermittel gehandelt. Im Internet finden sich unzählige Anwendungsmöglichkeiten. Es wird zum Beispiel für die Behandlung von Verletzungen, Brandwunden, Pickeln, Entzündungen und Insektenstichen empfohlen. Doch Vorsicht: Teebaumöl setzt sich aus über 100 zum Teil toxischen Substanzen zusammen, und nach der Einnahme als Tropfen ist es bereits zu Vergiftungen gekommen. Außerdem ist bekannt, dass schon eine kurze äußerliche Anwendung mit unverdünntem Teebaumöl eine Kontaktallergie auslösen kann. Dagegen scheint die verdünnte Anwendung auf gesunder Haut ein geringes Risiko zu bergen.

Ein weiteres wichtiges Kontaktallergen ist Perubalsam. Dabei handelt es sich um das Sekret des Perubalsambaumes (Myroxylon balsamum), der unter anderem in Mexiko und Panama heimisch ist. Wie bei allen Naturprodukten, kann auch bei Perubalsam die Zusammensetzung stark variieren. Der Balsam findet Anwendung in der Medizin (Wundheilmittel, Gurgellösungen, Mundwässer und Hustensäfte), in Kosmetika (Seifen, Shampoos, Puder und Lippenstifte), als Aromastoff (Süßspeisen, Backwaren, Tabakwaren, Getränke) und in Parfums. Zahlreiche Untersuchungen konnten zeigen, dass eine Kontaktallergie gegen Perubalsam nicht selten ist.

Propolis ist ein Kittharz pflanzlichen Ursprungs, mit dem Bienen ihren Stock abdichten. Das Stoffgemisch wird beispielsweise bei Akne oder Ekzemen angewendet. Propolis wird sowohl in Cremes oder Salben als auch in Form von Tropfen, Tinkturen oder Tabletten verabreicht und findet sich außerdem in Kosmetika wie Lotionen oder Lippenstiften sowie in Zahnpasta und Mundwasser. Auffällig ist, dass Allergien gegen Propolis zunehmen.

Die Schafgarbe (Achilla millefolium) ist in vielen Präparaten der Naturheilkunde enthalten und wird immer öfter in Kosmetika sowie Kräutershampoos und -bädern eingesetzt. Ihr allergieauslösendes Potenzial wird als schwach bis mittelstark eingeschätzt.

"Neben der Gefahr, dass pflanzliche Inhaltsstoffe eine Kontaktallergie auslösen können, gibt es noch einen weiteren Grund, sich nicht völlig auf so genannte Naturheilmittel zu verlassen. Denn weder ihre Wirksamkeit noch ihre Nebenwirkungen sind bisher vollständig erforscht", rät der Hautarzt PD Dr. Hans Michael Ockenfels aus Hanau.

Interessierte können jetzt übrigens im Internet unter www.dimdi.de (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) kostenlos umfangreiche Informationen zu 244 Kontaktallergenen abrufen.

  • Ockenfels, H. M. et al.: Allergieauslösung durch pflanzliche Allergene: Untersuchung der "Ökosubstanzen" Arnika, Teebaumöl und Propolis. Dermatosen 2001;76:S3. 
  • Geier, J. et al.: Lyral has been included in the patch test standard series in Germany, Contact Dermatitis, 2002;46,295-297.
  • Fuchs, T., Aberer, W. (Hrsg.): Kontaktekzem. Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle, München-Deisenhofen, 2002.
  • Ring, J., Wenning, J. (Hrsg.) für Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und Deutsche Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU): Weißbuch Allergie in Deutschland 2000. Urban & Vogel Medien und Medizin Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München, 2000.

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.

Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:
Pressekontakt ÄDA / DGAI
Dr. Petra von der Lage
Bodelschwinghstraße 17
22337 Hamburg
Tel.: 0 40 / 50 71 13 30
Fax: 0 40 / 59 18 45


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