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14.07.2003 Wenn Allergiker reisen


Damit der Heuschnupfen nicht den Urlaub verdirbt
"Schatz, lass uns lieber nicht nach Schweden fahren. Im Juli sollen die Gräser dort besonders stark blühen. Ich bin dann ja nur am Niesen." - "O.k., nach Italien?" - "Nein, meine Fischeiweißallergie! In Italien gibt's doch nur Seafood. Was soll ich die ganze Zeit essen?" - "Hm ... wie wär's mit den Kanaren?" - "Hört sich gut an, da wollte ich auch immer schon mal hin! ...Aber der Arzt hat doch jetzt auch eine Sonnenallergie festgestellt. Ich glaube, das ist mir zu riskant. Wollen wir nicht einfach hier bleiben?"

Natürlich können auch Allergiker auf Reisen gehen. Aber es gibt einiges zu beachten. Das fängt mit der Anreise an. Gepolsterte Sitze in Bus, Bahn oder Flugzeug können Brutstätten für Hausstaubmilben sein, in Klimaanlagen sprießen nicht selten Schimmelpilze, Raucher- und Nichtraucher sind oft nicht ausreichend voneinander getrennt. Am Urlaubsort lauern neue Gefahren: Die einheimische Küche, die man nicht kennt und in der Nahrungsmittelallergene versteckt sein können, Tierhaare in Hotelzimmern, andere Zeiten für den Pollenflug als in der Heimat usw.

Damit auch Allergiker ihren Urlaub unbeschwert genießen können, geben der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) einige Tipps für Urlaubsplanung und Reisen.

Das Reiseziel
"Das ideale Reiseland" gibt es für Allergiker nicht, jeder Patient muss individuell planen. Allerdings ist es hilfreich zu wissen, dass ...

  • es im Gebirge oberhalb von 1.500 Metern kaum noch Hausstaubmilben gibt; Menschen mit Hausstaubmilbenallergie geht es in diesen Lagen meistens viel besser.
  • Pollenallergiker sich auf Nordseeinseln besonders wohl fühlen. Bei der Wahl des Reiselandes helfen im übrigen internationale Pollenflugkalender (z. B. unter www.polleninfo.org).
  • trockenes und mildes Schonklima, zum Beispiel am Mittelmeer, Asthmatikern oft besonders gut bekommt.
  • Island als besonders allergikerfreundlich gilt. Es gibt dort kaum Bäume, die ihre Pollen fliegen lassen könnten, die Gräserblüte ist nur kurz und die Luftverschmutzung gering. Ein frischer Wind sorgt für regen Luftaustausch. Asthmatiker berichten regelmäßig, auf Island weniger Asthmamedikamente zu benötigen.

Die Vorbereitung
Bevor es losgeht, ist auf jeden Fall der Besuch bei einem Allergologen angezeigt. Dieser kann ... 

  • individuell beraten und über Risiken aufklären.
  • einen Gesundheitscheck vornehmen, um zu überprüfen, ob der Patient fit für die Reise ist.
  • antiallergische Medikamente für die Reiseapotheke verordnen.
  • eine Liste mit den benötigten Medikamenten schreiben, die nicht nur die Präparate-, sondern auch die Wirkstoffnamen nennt. Denn Arzneimittel heißen im Ausland oft anders.
  • einen Allergiepass ausstellen, falls der Patient noch keinen besitzt.
  • über die Chancen einer ursächlichen Therapie informieren. Denn eine spezifische Immuntherapie (SIT, "Allergie-Impfung") kann die Beschwerden dauerhaft lindern.

Die Anreise

  • Pollenschutzfilter in das Auto einbauen lassen und regelmäßig erneuern. Die Fenster im Auto oder in der Bahn möglichst geschlossen halten.
  • Wer unter allergischem Schnupfen oder Asthma leidet, sollte im Flugzeug so viele Sitzreihen zwischen sich und die Raucherabteilung bringen wie möglich. Denn der Qualm verstärkt die Symptome.
  • Während des Fluges trocknen die Nasenschleimhäute aus. Nasensprays mit Meerwasser helfen.
  • Druckunterschiede während eines Fluges können bei allergischem Schnupfen unangenehme Beschwerden verursachen, weil der Druckausgleich im Ohr schlechter klappt. Kaugummikauen, häufiges Schlucken und abschwellende Nasentropfen helfen.
  • In Polstern von Bahn- und Flugzeugsitzen sammeln sich oft Hausstaubmilben oder Tierhaare. Allergiker sollten deshalb ihre Bedarfsmedikamente bei sich haben.
  • In der Bordverpflegung können Nahrungsmittelallergene lauern. Manche sind auf den ersten Blick gar nicht erkennbar und auch die netten Flugbegleiterinnen wissen in der Regel nicht, was da alles liebevoll in der Plastikschale angerichtet worden ist. Nahrungsmittelallergiker nehmen lieber von zuhause einen Snack mit und haben für den Fall der Fälle ihr Notfallset in der Nähe.
  • Stress kann allergische Symptome verstärken, schnelle Spurts zur Gangway können bei Asthmatikern einen Asthmaanfall auslösen. Deshalb: Genug Zeit einplanen - Hektik kommt dann gar nicht erst auf.

Die Unterkunft

  • Manche Hotels bieten spezielle Zimmer für Allergiker an - es lohnt sich, nachzufragen!
  • Im Vorfeld die Zimmer beschreiben lassen. Als Milbenallergiker zum Beispiel lieber keine Unterkunft mit dicken Teppichböden und alten Polstermöbeln buchen. Ist es möglich, eigenes Bettzeug mitzubringen? Sind milbendichte Matratzenüberzüge vorhanden?
  • Milben- und Schimmelpilzallergiker können darum bitten, dass ihre Unterkunft vor der Ankunft gut gelüftet wird.
  • Patienten mit einer Allergie gegen bestimmte Tierhaare sollten sich nach den Modalitäten der Haustierhaltung im Quartier informieren.
  • Gibt es spezielle Raucher- bzw. Nichtraucherzimmer? Wie ist die Aufteilung im Speisesaal des Hotels? Rauchfrei geht es Allergikern besser.
  • Für Personen mit Nahrungsmittelallergie wichtig: Bietet das Hotel entsprechend zubereitete Speisen an? Es kann unkomplizierter und sicherer sein, sich ein Appartement zu mieten und selbst zu kochen.

Die Aktivitäten
Bei Urlaubsaktivitäten sind immer die individuellen Risiken zu beachten. Dazu gehören für Sonnenallergiker natürlich starke Sonneneinstrahlung, für Insektengiftallergiker der Insekten- und für Pollenallergiker der Pollenflug. Weniger bekannt ist, dass ... 

  • Tauchen für Asthmatiker gefährlich und nur in Ausnahmefällen möglich ist. Vorher auf jeden Fall den Arzt fragen, am besten auch einen Tauchmediziner. Schnorcheln ist zwar weniger aufregend, dafür aber auch wesentlich ungefährlicher.
  • Asthmatikern beim Bergsteigen in höheren Lagen der geringere Sauerstoffgehalt der Luft mehr zu schaffen machen kann als anderen.
  • Salzwasser und starke Sonneneinstrahlung am Strand allergische Hauterkrankungen wie Ekzeme verstärken können; es müssen geeignete Hautpflegemittel verwendet werden.

Die Reiseapotheke

  • Den Inhalt mit dem behandelnden Allergologen absprechen.
  • Genug Medikamente mitnehmen. Sonnenallergiker müssen auch an fettfreie Sonnenschutzcreme denken.
  • Die Reiseapotheke gehört ins Handgepäck und nicht in den großen Koffer; der geht oft genug verloren. Die Medikamente müssen schnell greifbar sein.
  • Für Insektengift- und Nahrungsmittelallergiker gehört zusätzlich ein Notfallset mit ins Handgepäck.

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.

Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:
Pressekontakt ÄDA / DGAI
Dr. Petra von der Lage
Bodelschwinghstraße 17
22337 Hamburg
Tel.: 0 40 / 50 71 13 30
Fax: 0 40 / 59 18 45


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