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12.06.2004 Schlimmer, als viele wissen: Heuschnupfen


In der Pollensaison sieht man besonders häufig niesende Menschen mit roten Augen. Viele haben sogar das ganze Jahr über einen allergischen Schnupfen, meistens, weil sie allergisch gegen Hausstaubmilben sind. Zu einem auf Allergien spezialisierten Arzt gehen die Allergiekranken oftmals aber nicht, weil sie glauben, dass ein allergischer Schnupfen nicht so schlimm ist. Sogar allergiekranke Kinder werden häufig nicht behandelt, weil die Eltern die Beschwerden nicht Ernst genug nehmen. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) besteht jedoch kein Zweifel daran, dass Heuschnupfen eine schwerwiegende chronische Krankheit ist.

Heuschupfen ist eine schwerwiegende und chronische Krankheit
Ein allergischer Schnupfen tritt auf, wenn das Immunsystem überempfindlich gegenüber bestimmten allergieauslösenden Substanzen aus Blütenpollen, Hausstaubmilben, Tierhaaren oder Schimmelpilzen reagiert. "Im Gegensatz zum Erkältungs-Schnupfen, der durch Viren oder Bakterien verursacht wird, heilt ein allergische Schnupfen aber nicht irgendwann ohne Folgen ab", warnt Professor Claus Bachert von der DGAI. So haben viele Heuschnupfenkranke eine dauerhaft veränderte Schleimhaut in den Nasen- und Nasennebenhöhlen(1). Besonders schwerwiegend: Bis zu 40 Prozent der Klein- und Schulkinder mit Heuschnupfen erkranken zusätzlich an Asthma bronchiale mit Anfällen von Atemnot. Sowohl Heuschnupfen als auch Asthma bleiben oft ein Leben lang bestehen.
Ein allergischer Schnupfen ist also nicht auf die Nase begrenzt. Es lassen sich bei Heuschnupfenkranken entzündliche Vorgänge in den Bronchien nachweisen, auch wenn - noch - kein Asthma besteht(2). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beurteilt einen allergischen Schnupfen wegen der vielen betroffenen Menschen, dem negativen Einfluss auf die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit und der Tendenz für zusätzliches Asthma und andere Begleiterkrankungen als bedeutende chronische Atemwegserkrankung(6)

Fachärztliche Behandlung entscheidend für den Krankheitsverlauf
Der Allergologe Bachert rät, Heuschnupfen von einem allergologisch ausgebildeten Arzt behandeln zu lassen. "Wir können Heuschnupfen heutzutage wirkungsvoll behandeln, so dass niemand mehr unter starken Beschwerden leiden muss. Außerdem kann eine fachärztliche Therapie die fortlaufende Verschlechterung der Allergie und die Ausweitung der allergischen Entzündung auf die Lungen stoppen", so Bachert. Gegen die Symptome - Niesen, Naselaufen, Augenjucken - helfen so genannte Antihistaminika. Diese Medikamente hemmen den wichtigsten körpereigenen Botenstoff der Allergie, das Histamin. Es gibt Antihistaminika als Tabletten, Nasenspray und Augentropfen. Leider erstatten die Krankenkassen rezeptfreie Antihistaminika nicht mehr. Vom Arzt verordnete, moderne Antihistaminika werden aber von den Krankenkassen weiterhin bezahlt. Auch Kortison-haltige Nasensprays eignen sich gut gegen Heuschnupfen. Sie sind gut verträglich und bessern auch gleichzeitig bestehende Asthmabeschwerden(3,4).
"Bei einem Allergologen sollte außerdem möglichst frühzeitig geprüft werden, ob eine spezifische Immuntherapie gegen die Ursache der Allergie in Frage kommt", rät Bachert. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) kann allergische Atemwegserkrankungen langfristig bessern oder sogar heilen. Dazu erhalten die Kranken regelmäßig über einen Zeitraum von etwa drei Jahren ein standardisiertes Allergen-Präparat, bis das Immunsystem wieder unempfindlich gegenüber den Allergieauslösern ist. Diese Therapie bessert einerseits die Beschwerden, andererseits kann der so genannte Etagenwechsel zum Asthma und das Auftreten weiterer Allergien verhindert werden(5,6). Doch bisher werden noch zu wenige Allergiekranke hyposensibilisiert: Der Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen stellte 2001 "sichere Hinweise auf eine zu geringe oder zu späte Nutzung dieses Therapieansatzes" fest(7).

  1. Bousquet J, Jacquot W, Vignola AM, Bachert C, Van Cauwenberge P. Allergic rhinitis: a disease remodelling the upper airways? J Allergy Clin Immunol 2004;113:43-9
  2. Braunstahl GJ, Prins JB, KleinJan A, Overbeek SE, Hoogsteden HC, Fokkens WJ. Nose and lung cross-talk in allergic airways disease. Clin Exp All Rev 2003;3:38-42
  3. Fuhlbrigge AL, Adams RJ. The effect of treatment of allergic rhinitis on asthma morbidity, including emergency department visits. Curr Opin Allergy Clin Immunol 2003;3:29-32
  4. Taramarcaz P, Gibson PG. Intranasal corticosteroids for asthma control in people with coexisting asthma and rhinitis. Cochrane Review. The Cochrane Library 2004, Ausgabe 1.http://www.cochrane.org/cochrane/revabstr/ab003570.htm
  5. Möller C, Dreborg S, Ferdousi HA, Halken S, Høst A, Jacobsen L, Koivikko A, Koller DY, Niggemann B, Norberg LA, Urbanek R, Valovirta E, Wahn U. Pollen immunotherapy reduces the development of asthma in children with seasonal rhinoconjunctivitis (The PAT-Study). J Allergy Clin Immunol 2002;109:251-6
  6. Pajno, G.B. et al.: Prevention of new sensitizations in asthmatic children monosensitized to house dust mite by specific immunotherapy. A six-year follow-up study. Clinical and Experimental Allergy 31:1392-97, 2001.
  7. Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (Hrsg.): Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit. Band III: Über-, Unter-, Fehlversorgung; 2001.http://www.svr-gesundheit.de



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