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23.01.2003 Neue placebokontrollierte Studien zur spezifischen Immuntherapie bei Birkenpollenallergie


Birkenpollen die Stirn bieten
Während im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt, beginnt für viele Allergiker die Leidenszeit: So manche Nase fängt an zu laufen, kaum ein Auge bleibt mehr trocken. Denn von März bis Mai fliegen sie wieder - die Birkenpollen. In Nordeuropa sind sie einer der Hauptverursacher von allergischen Erkrankungen. Schon vor Jahren ergab eine Untersuchung, dass allein in Hamburg etwa 19 Prozent der Menschen einen positiven Hauttest auf Birkenallergene hatten - und die Zahlen nehmen zu. Sich den Birkenpollen zu entziehen, ist unmöglich. Denn die Bäume verschönern nicht nur Gärten, Höfe und Felder, sondern auch so manche Allee in den Städten. Zudem breiten sich die Pollen über große Entfernungen aus. Zuerst steigen sie nach oben, verteilen sich in höheren Luftschichten und sinken erst hunderte von Metern entfernt wieder zu Boden. 

Frühzeitig zum Allergologen
Birkenpollen verursachen auch viele Kreuzallergien, die so genannten "pollenassoziierten Nahrungsmittel-Allergien". Auslöser dabei ist eine immunologische Kreuzreaktion: Die Struktur der Baumpollenallergene gleicht denen bestimmter Eiweißstoffe aus Früchten oder Gemüsesorten. Somit reagiert ein Immunsystem, das auf die Pollenallergene sensibilisiert ist, auch beim Kontakt mit diesen Substanzen. Birkenpollen-Allergiker vertragen daher häufig keine Nüsse, Äpfel, Pflaumen, Kirschen, Kiwi oder Erdbeeren. "Während noch vor 15 bis 20 Jahren etwa 17 Prozent der Heuschnupfen-Patienten an einer Kreuzallergie litten, sind es heute schon fast 60 Prozent", warnt Professor Dr. Karl-Christian Bergmann, Leiter der Allergie- und Asthmaklinik in Bad Lippspringe und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI). Kreuzallergien mit Erle und Hasel sind dafür verantwortlich, dass Birkenpollen-Allergiker häufig von Beginn des Frühlings bis in den Frühsommer Beschwerden haben. Zudem ist die Gefahr eines Etagenwechsels vom allergischen Schnupfen zum Asthma bronchiale sehr groß. "Patienten mit Symptomen eines Heuschnupfens sollten frühzeitig einen allergologisch ausgebildeten Facharzt aufsuchen", rät daher Professor Dr. Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). "Der kann nach einer ausführlichen Diagnostik eine adäquate Therapie einleiten und so Komplikationen verhindern."

Neuer placebokontrollierter Wirkungsnachweis
Birkenpollen-Allergiker, die im letzten Herbst - der pollenfreien Zeit - eine spezifische Immuntherapie (SIT) begonnen haben, können im Frühjahr aufatmen. Die Behandlung schlägt in den meisten Fällen schon in der darauf folgenden Pollensaison an. Sie hat eine Erfolgsrate von 90 Prozent und setzt als einzige Therapie an den Ursachen der Erkrankung an: Durch Injektionen kleiner Mengen des Allergens wird das Immunsystem der Patienten an die Allergie auslösende Substanz gewöhnt. Die Allergiker reagieren unempfindlicher auf die Pollen, sie haben weniger Symptome und brauchen nicht mehr so viele Medikamente. Das konnten auch zwei kürzlich veröffentlichte Studien bestätigen: Bei Birkenpollen-Allergikern, die unter allergischem Schnupfen und/oder Asthmasymptomen litten, haben sie erneut die Wirksamkeit eines modernen Allergen-Präparates zur SIT im Vergleich zu einem Placebo nachgewiesen. Ein Placebo ist ein Scheinmedikament, das selber unwirksam ist und in Studien oft als Kontrolle bei der klinischen Erprobung neuer Medikamente verwendet wird.

Weniger Symptome, weniger Medikamente
Die über zwei Jahre laufende schwedische Studie von Arvidsson und Mitarbeitern zeigte, dass die spezifische Immuntherapie mit einem standardisierten Allergen-Präparat im Vergleich zum Placebo sowohl die Allergiesymptome als auch den Medikamentenverbrauch bei Birkenpollen-Allergikern signifikant vermindert. Schon in der ersten Pollensaison nach Beginn der Behandlung stellten sich die Erfolge ein. Und in der zweiten Saison waren sie trotz eines extrem starken Pollenflugs noch deutlicher ausgeprägt. Zudem erwies sich die Behandlung als sehr sicher. Die Nebenwirkungen lagen auf Placeboniveau. 

Auch die dänische Studie von Bødtger und Mitarbeitern hat bei Birkenpollen-Allergikern ein Jahr lang die Auswirkungen einer spezifischen Immuntherapie im Vergleich zum Placebo untersucht. Ebenfalls mit guten Ergebnissen: Bereits in der ersten Pollensaison nach Behandlungsbeginn waren die Allergiebeschwerden und der Medikamentenbedarf bei Patienten, die mit dem standardisierten Allergen-Präparat behandelt wurden, signifikant vermindert gegenüber den Patienten, die ein Placebo bekamen. Und auch nach der Pollensaison, also ein Jahr nach Behandlungsbeginn, waren die Symptome im Vergleich zur Placebogruppe noch signifikant reduziert.

 

  • Weißbuch Allergie in Deutschland 2000. Ring, J., Wenning, J. (Hrsg.) 
    für Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und Deutsche Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU).
    Urban & Vogel Medien und Medizin Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München, 2000.
  • Arvidsson, M. B., Löwhagen, O., Rak, S. 
    Effect of 2-year placebo-controlled immunotherapy on airway symptoms and medication in patients with birch pollen allergy. 
    J Allergy Clin Immunol, 109(5):777-783, 2002.
  • Bødtger, U., Poulsen, L. K., Jacobi, H. H., Malling, H.-J.: 
    The safety and efficacy of subcutaneous birch pollen immunotherapy - a one-year, randomised, double-blind, placebo-controlled study. 
    Allergy 57:297-305, 2002.

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