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23.01.2003 Angebliche Wundermittel sind meistens ihr Geld nicht wert


Allergiekranke werden mit unseriösen Tests zur Kasse gebeten
Übelkeit, Kopfschmerzen und Hautausschlag nach dem Genuss bestimmter Nahrungsmittel: Viele Menschen denken da sofort an eine Allergie. Und leider fallen immer mehr von ihnen auf scheinbar neue Testmethoden zum Nachweis von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten herein. Die Zeitschrift "Öko-Test" berichtete in ihrer Novemberausgabe, dass einige Firmen sogar Ärzte an dem Gewinn beteiligen, falls diese Tests auf IgG-Antikörper bei ihren Patienten durchführen. Im Gegensatz zur Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper sind IgG-Tests bei Allergien jedoch nur in sehr seltenen Fällen angebracht. Das Testergebnis sagt jedenfalls nichts über die für eine Person relevanten Allergieauslöser aus. Die Kosten von mehreren hundert Euro müssen die Patienten jedoch selbst zahlen. Im "Weißbuch Allergie in Deutschland 2000" steht über IgG-Tests: "Leider gibt es auch eine Reihe von Labortestungen, die nicht zu klinisch brauchbaren Ergebnissen führen. Hierzu gehört insbesondere die Bestimmung von spezifischem IgG, welches häufig nur die gesunde Auseinandersetzung des Immunsystems mit Umweltallergenen widerspiegelt.

Alternative Diagnostik und Therapie kostet viel und bringt wenig
Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) machen darauf aufmerksam, dass bei sensationellen Heilsversprechen und neuen Wundermitteln generell Misstrauen angebracht ist - vor allem, wenn die angepriesenen Methoden teuer sind. Viele Anbieter dubioser Testverfahren können keine wissenschaftliche Analyse zur Wirksamkeit und Sicherheit vorweisen. Hat sich eine neue Behandlungsform jedoch in Studien bei einer ausreichenden Zahl von Patienten bewährt, übernehmen meistens die Krankenkassen die Kosten. Diese Therapiemöglichkeiten sind dann wissenschaftlich auf ihre Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen geprüft. Sich auf alternative Methoden zu verlassen, kann dagegen gefährlich sein. Denn mit Nahrungsmittel-Allergien ist nicht zu spaßen. Sie können beispielsweise durch einen allergischen Schock lebensgefährlich werden. Die Patienten gehören unbedingt in die Hände eines erfahrenen Arztes. 

Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten erfordern eine sorgfältige Diagnostik
Nur etwa 1 bis 2 Prozent der Erwachsenen und 3 bis 4 Prozent der Kinder in Deutschland haben eine echte Nahrungsmittel-Allergie. Viele Heuschnupfen-Patienten reagieren beispielsweise nach dem Essen von Nüssen oder Kernobst mit Juckreiz in Mund und Rachen. Bei diesen Patienten hilft neben antiallergischen Medikamenten eine spezifische Immuntherapie. Mit dieser auch als Hyposensibilisierung oder "Allergie-Impfung" bezeichneten Therapie bessert sich bei 90 Prozent der Patienten auch der Heuschnupfen. Hinter einer vermeintlichen Nahrungsmittel-Allergie kann aber auch einmal eine Histaminunverträglichkeit stecken. Bei Patienten mit dieser Erkrankung funktioniert der Abbau von Histamin im Darm nicht richtig. Der erhöhte Histaminspiegel im Blut kann dann allergieähnliche Symptome wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Juckreiz oder Atemnot verursachen.

"Eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit muss von einem allergologisch ausgebildeten Facharzt abgeklärt werden. Er kann mit Hauttests oder Blutuntersuchungen schnell und kostengünstig mögliche Allergieauslöser feststellen", rät Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, der Präsident der DGAI aus Bochum. "Nur durch eine umfassende Diagnostik können die Symptome richtig beurteilt und behandelt werden. Auf keinen Fall sollten Patienten einfach auf eigene Faust alle möglichen Lebensmittel weggelassen. Das kann zu einer Mangelernährung führen."

  • Weißbuch Allergie in Deutschland 2000. Ring, J., Wenning, J. (Hrsg.) 
    für Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und Deutsche Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU). 
    Urban & Vogel Medien und Medizin Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München, 2000.

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.

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