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20.06.2004 Damit die Allergie nicht zum Karriere-Killer wird


2.500 junge Berufstätige unter 25 Jahren entwickeln in Deutschland jedes Jahr eine Berufskrankheit. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um allergische Haut- oder Atemwegsleiden. Kein Wunder - gehören doch Allergien hierzulande in dieser Altersgruppe zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Das Problem wird sich weiter verschärfen, weil Allergien ständig zunehmen. Von den Kindern und Jugendlichen sind inzwischen etwa 20 Prozent betroffen. Die Veranlagung zu allergischen Erkrankungen ist noch weiter verbreitet.
Risiken für Allergiker gibt es in der Berufswelt jede Menge. Stäube in der Backstube und in der Tischlerwerkstatt, Tierhaare und Pollen in der Landwirtschaft, Umgang mit hautreizenden und allergieauslösenden Substanzen beim Frisör, im Krankenhaus oder in der Lackiererei sind nur einige Beispiele. Besonders gefährdet, allergische Beschwerden am Arbeitsplatz zu entwickeln, sind Menschen, die schon vor Aufnahme der Beschäftigung an einer Allergie leiden. Bei 50 Prozent der Bäcker, die durch den Kontakt mit Mehlstaub an allergischem Schnupfen oder allergischem Asthma erkranken, bestand zum Beispiel vor Antritt der Beschäftigung eine Pollenallergie. Allergiekranke Jugendliche sollten sich also bei der Berufswahl besonders gründlich über mögliche Risiken für ihre Gesundheit informieren. "Wer an einer Allergie leidet und darüber nachdenkt, welchen Ausbildungsweg er einschlägt, darf nicht nur Karrierechancen und Gehalt, sondern muss auch seine Gesundheit im Blick haben", so Professor Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). "Er sollte Berufe mit erhöhtem Allergie-Risiko meiden und sich überlegen, ob nicht auch eine andere Beschäftigung in Frage kommt. Das ist besser, als nach der Hälfte der Ausbildung oder nach einigen Jahren im Beruf frustriert festzustellen, dass die Gesundheit nicht mitspielt." Für fachkundige Beratung und Behandlung empfiehlt Schultze-Werninghaus Allergikern, sich in die Hand eines allergologisch geschulten Facharztes zu begeben. Der Spezialist kann durch gezielte Diagnostik erkennen, gegen welche Substanzen sich die Allergie richtet und eine angemessene Therapie in die Wege leiten. Inzwischen stehen Medikamente zur Verfügung, die die Allergiesymptome wirkungsvoll lindern. Durch eine spezifische Immuntherapie (SIT) lassen sich allergische Atemwegserkrankungen sogar heilen. Deshalb kann es zum Beispiel einem Pollenallergiker nach einer SIT möglich sein, problemlos als Gärtner zu arbeiten.

Gut informieren und schützen
Als besonders Allergie-trächtig gilt die Arbeit im Frisörhandwerk, Gesundheitswesen, Reinigungswesen, Baugewerbe, Maler- und Lackierhandwerk sowie in der Metallverarbeitung. Zwei mögliche Gefahrenquellen stehen dabei im Vordergrund. Der Kontakt mit Allergie-auslösenden Substanzen über die Haut spielt zum Beispiel bei Frisören, Malern und in der Metallverarbeitung eine wichtige Rolle. Hauterkrankungen wie das allergische Kontaktekzem können die unangenehme Folge sein. Im Bäckerhandwerk und Gesundheitswesen erfolgt der Kontakt mit Allergenen wie Mehlstaub oder Latexpartikeln zusätzlich über die Atemluft. Das Wissen um diese Gefahren kann bei der Berufswahl eine Entscheidungshilfe sein. Für einen jungen Menschen, der an ausgeprägter Neurodermitis leidet, sind zum Beispiel der Frisörsalon, die Lackiererei, das Krankenhaus oder das Fotolabor häufig wenig geeignete Arbeitsstellen. "Wer trotz der möglichen Allergie-Risiken auf seinen Traumberuf nicht verzichten möchte, sollte sich wenigstens über die Gefahren gut informieren und sich schützen," fordert Schultze-Werninghaus. "Dazu gehören das Tragen von geeigneten Schutz-Handschuhen, die Hautpflege mit speziellen Cremes, das Erlernen von Arbeitstechniken, die die Risiken minimieren und gegebenenfalls das Anlegen von Staubschutzmasken." Würden solche Sicherheitsmaßnahmen bei allergiekranken Arbeitnehmern konsequent umgesetzt, ließe sich auch der immense volkswirtschaftlichen Schaden verringern, den Allergien verursachen. Immerhin 5,2 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage gingen allein 1993 in Deutschland auf das Konto allergischer Erkrankungen. 17 Prozent der Fälle von Berufskrankheit, die zur Berentung führen, sind auf Allergien zurückzuführen.(1) 

  1. Weißbuch Allergie in Deutschland, Urban & Vogel Medien und Medizin Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München. 2. Auflage (2004): 307

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