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20.06.2004 Spezifische Immuntherapie verhindert allergisches Asthma


Bei jedem dritten Menschen mit Heuschnupfen ist es eines Tages soweit: Die Luft wird knapp, und beim Atmen fiept und brummt es in der Lunge - Asthma. Ein Anfall kann tödlich enden. Ursache der plötzlichen Atemnot: Die Luftwege verkrampfen sich, ihre Schleimhäute schwellen an und produzieren zähen Schleim. Menschen mit allergischem Schnupfen sind besonders gefährdet, Asthma zu entwickeln. Denn die allergische Überempfindlichkeit kann sich von der Nasenschleimhaut auf die Schleimhaut der Bronchien ausbreiten. Werden dann die Allergie-auslösenden Substanzen eingeatmet - also zum Beispiel Pollen - reagieren nicht mehr nur Nase und Augen, sondern auch die Bronchien.
Dieser Weg vom Heuschnupfen zum lebensbedrohlichen Asthmaanfall ist aber kein Schicksal, dem Allergiepatienten hilflos ausgeliefert sind. Amerikanische Wissenschaftler um Chitra Dinakar weisen jetzt darauf hin, dass eine spezifische Immuntherapie (SIT) den so genannten Etagenwechsel von der Nase in die Bronchien verhindern kann.(1) Die Forscher bewerteten eine Reihe neuerer Studien zur SIT und fassten die Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Current Opinions of Allergy and Clinical Immunology" zusammen. Ergebnis: Eine SIT senkt die Gefahr deutlich, dass Heuschnupfenpatienten an Asthma erkranken. Eine Studie mit Kindern, die an allergischem Schnupfen litten, zeigte eine Senkung des Risikos um knapp 50 Prozent.(2)

Erfolgsquoten über 90 Prozent
Bei der SIT (auch Allergie-Impfung genannt) wird dem Patienten ein molekular standardisiertes Allergenpräparat mit der Substanz, auf die er allergisch reagiert, in langsam ansteigenden Dosen regelmäßig unter die Haut injiziert. Dadurch setzt ein Gewöhnungseffekt ein: Das Immunsystem reagiert nicht mehr mit einer Abwehrreaktion, wenn es mit dem Allergen konfrontiert wird. Bei einer Pollenallergie liegen die Erfolgsquoten der SIT über 90 Prozent. Die Beschwerden werden dauerhaft deutlich gelindert, und die Patienten benötigen weniger antiallergische Medikamente. In vielen Fällen bildet sich die allergische Reaktionsbereitschaft des Immunsystems sogar vollständig zurück - der Patient ist dann von seiner Allergie geheilt. "Die SIT ist die einzige Behandlungsmöglichkeit für Allergien, die kausal ins Krankheitsgeschehen eingreift und den natürlichen Verlauf der Erkrankungen positiv beeinflusst", so Professor Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) aus Göttingen. "Dadurch lässt sich in vielen Fällen verhindern, dass aus allergischem Schnupfen Asthma wird. Wenn man bedenkt, mit welchen gravierenden Einschränkungen Asthmatiker leben müssen, ist das ein ganz wichtiger Erfolg. Die Vorbeugung von Asthma durch eine SIT muss in Zukunft einen viel höheren Stellenwert bekommen." Viele Asthmatiker sind ihr Leben lang darauf angewiesen, Medikamente einzunehmen, um die Verengung der Bronchien zu beheben und die Entzündung der Bronchialschleimhaut einzudämmen. Die Luftnot kann die körperliche Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität erheblich einschränken. Fuchs empfiehlt Patienten mit allergischem Schnupfen deshalb, sich in Behandlung bei einem allergologisch geschulten Facharzt zu begeben. Er kann die Allergie eindeutig diagnostizieren und genau feststellen, gegen welches Allergen sie sich richtet.

  1. Dinakar C, Portnoy JM: Allergen immotherapy in the prevention of asthma. Current Opinion in Allergy and Clinical Immunology 2004 (4): 131-136
  2. Möller Ch et al.: Pollen immunotherapy reduces the development of asthma in children with seasonal rhinoconjunctivitis (the PAT-Study). The Journal of Allergy and Clinical Immunology 2002 (109): 251-256


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