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23.01.2003 Deutsche Studie untersucht erstmals Auftreten von Heuschnupfen bei Lebenspartnern


Risikofaktor Partnerschaft
Wenn der Frühling kommt, die Sonne wieder wärmt und die Bäume grünen, dann kriecht in vielen Menschen Angst hoch. Erreichen die Temperaturen nämlich Werte von 10 bis 15 Grad, fliegen die Pollen wieder. Erle und Hasel streuen sie als erste in die Luft - oft schon ab Januar. Und damit beginnt die Qual: Nasen laufen, Augen tränen. Das belastet aber nicht nur die Allergiker, sondern oft auch ihre Partner. So manche Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Pollenflugvorhersagen bestimmen den Tagesablauf. Alltag, Freizeit, Urlaub - alles richtet sich nach der allergischen Erkrankung. Spontan etwas im Freien zu unternehmen, ist kaum mehr möglich. Die Betroffenen leiden unter Schlafstörungen, Niesattacken, Kopfschmerzen oder juckenden Augen. Viele fühlen sich richtig krank, würden sich am liebsten verkriechen und haben keine Lust auf gemeinsame Unternehmungen. Das drückt auch auf die Stimmung der Partner. Aber damit nicht genug.

Ein Heuschnupfen kommt selten allein
Eine deutsche Studie unter der Leitung von Torsten Schäfer, Allergologe und Professor für Klinische Epidemiologie am Universitätsklinikum Lübeck, hat ergeben: Partner von Heuschnupfen-Patienten erkranken um ein Drittel häufiger an allergischem Schnupfen als diejenigen mit einem Lebensgefährten ohne Heuschnupfen. "Diese Häufung weist darauf hin, dass gemeinsame Umwelt- und Lebensstilfaktoren der Paare die Entstehung von Heuschnupfen beeinflussen können", sagt Professor Schäfer, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI) ist. "Dafür spricht außerdem unser Nachweis, dass das Erkrankungsrisiko von der Dauer der Partnerschaft abhängt." Während zahlreiche Untersuchungen bereits genetische Ursachen und damit eine familiäre Häufung allergischer Erkrankungen belegt haben, hat diese Studie erstmals nicht verwandte Lebenspartner untersucht und damit den Einfluss von Lebensstil- und Umweltfaktoren, betont der Allergologe. Dabei zeigten sich bei den Partnern vielfach Übereinstimmungen, zum Beispiel im äußeren Erscheinungsbild oder im Hinblick auf den Sozialstatus. Hier könnte eine Ursache für gemeinsame Risikofaktoren liegen. Noch nicht sicher ist, ob sich die Partner erst im Laufe ihrer Beziehung einander angepasst haben oder ob die Ähnlichkeiten schon vorher bestanden. Die Wissenschaftler halten Letzteres für wahrscheinlich. "Oft suchen sich Menschen Partner aus der gleichen sozialen Schicht, die unter vergleichbaren Verhältnissen aufgewachsen sind und ähnliche Interessen haben", so Professor Schäfer. Zudem schließt er nicht aus, dass Allergiker auch verstärkt auf Symptome bei ihren Partnern achten und dadurch die Erkrankung eher festgestellt wird. "Dies könnte tatsächlich ein Grund dafür sein, dass oftmals beide Partner Heuschnupfen haben. Deshalb haben wir uns in unserer Auswertung nur auf ärztlich bestätigte Heuschnupfendiagnosen beschränkt", erklärt Professor Schäfer. In jedem Fall sind zukünftige Studien notwendig, um die Ergebnisse weiter abzuklären.

Wer Heuschnupfen unterschätzt, riskiert ein Asthma
Dass Heuschnupfen-Patienten sensibel auf ihre Beschwerden und die ihrer Partner reagierten, wäre nur wünschenswert. Leider ist die Realität aber eine andere. Noch immer nehmen viele Menschen den Heuschnupfen nicht ernst. Nach Schätzungen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) lässt sich nur etwa ein Viertel der Allergiker ärztlich behandeln. Zu einem allergologisch ausgebildeten Facharzt geht sogar nur jeder Zehnte. "Das ist gefährlich", warnt Professor Dr. Thomas Fuchs, Präsident des ÄDA. "Denn ohne fachgerechte Behandlung entwickeln 40 Prozent der Patienten mit allergischem Schnupfen ein Asthma bronchiale." Er empfiehlt daher Patienten mit Symptomen eines Heuschnupfens, frühzeitig einen Allergologen aufzusuchen. Der kann eine gezielte Diagnostik durchführen und die richtige Therapie einleiten. Dadurch lassen sich Folgeschäden vermeiden oder zumindest reduzieren. So kann zum Beispiel bei Heuschnupfen-Patienten eine spezifische Immuntherapie (SIT) den so genannten Etagenwechsel zum Asthma bronchiale verhindern. Die SIT wird im Herbst und damit in der pollenfreien Zeit begonnen. Die Varianten Kurzzeit-SIT und Sublinguale Immuntherapie (SLIT, die Präparate werden nicht gespritzt, sondern in Tropfenform verabreicht) ermöglichen sogar einen von der Jahreszeit unabhängigen Behandlungsbeginn. Die SIT bessert langfristig die Symptome und reduziert das Risiko für Neusensibilisierungen, das heißt die Gefahr, auf immer neue Allergene überempfindlich zu reagieren. Die Erfolgsrate beträgt bei Verwendung von modernen Allergen-Präparaten etwa 90 Prozent. "Uns stehen heute gute Möglichkeiten zur Verfügung, um allergische Erkrankungen adäquat zu behandeln. Daher muss kein Allergiker mehr unnötig leiden", erklärt Professor Fuchs. Und von der wiedergewonnenen Lebensqualität profitieren nicht nur die Patienten - auch ihre Partner können aufatmen.

  • Merkl, J., Klemm, E., Wichmann, H.-E., Ring, J., Schäfer, T.: 
    Heuschnupfen bei Partnern. Allergo Journal 10:320-3, 2001.

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