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29.07.2002 Hausstaubmilben-Allergie


Schlummern, Schlafen, Atemnot - Die Gefahr lauert in unseren Betten
"So richtig nett ist's nur im Bett" - davon wusste schon Peter Alexander ein Lied zu singen. Immerhin verbringen wir dort über 200.000 Stunden unseres Lebens. Doch wo die einen ruhig schlafen, werden andere nachts von Niesattacken und Atemnot geplagt und wachen morgens mit einer verstopften Nase auf. Ursache dafür ist eine Allergie auf Hausstaubmilben, die kleinen Untermieter in unseren Betten. Bis zu 4.000 Milben leben in einem Gramm Bettstaub. Auf ihre Allergene sind zwischen zehn bis 15 Prozent der Bundesbürger sensibilisiert. 

Als besonderer Milbenherd galt bislang das Federbett. Für Hausstaubmilben-Allergiker war es tabu. Eine australische Studie (1) hat diese Empfehlung jetzt jedoch in Frage gestellt. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Kinder, die in Federbetten schliefen, seltener auf Hausstaubmilben-Allergene sensibilisiert waren. Bereits allergiekranke Kinder litten weniger an schwerem Giemen, benötigten weniger Medikamente und mussten viel seltener wegen Atembeschwerden ins Krankenhaus als ihre allergiekranken Altersgenossen mit anderen Bettdecken. Die Forscher vermuten, dass die Hüllen der Federdecken fester gewebt sind als bei anderen Füllmaterialien und dadurch weniger Milben in die Decken eindringen. Auch die Wahl der Matratze scheint Auswirkungen auf die Allergenkonzentration im Bett zu haben. Zu diesem Schluss kam eine aktuelle Studie (2) über den Milbenbefall unterschiedlicher Matratzenarten. Die untersuchten Schaumstoffmatratzen wiesen viermal so viele Hausstaubmilben-Allergene auf wie Federkernmatratzen.

"Eine Hausstaubmilben-Allergie sollte nicht unterschätzt werden", warnt Professor Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). "Sie kann zu chronischen Atembeschwerden führen, ein atopisches Ekzem, also Neurodermitis, verschlimmern und sich sogar zu einem Asthma bronchiale ausweiten." Die Beschwerden bestehen meistens das ganze Jahr, am schlimmsten sind sie jedoch jetzt, in Herbst und Winter. Denn in der kalten Jahreszeit werden die Allergene durch die warme Heizungsluft permanent aufgewirbelt und inhaliert. Bei Verdacht auf eine Hausstaubmilben-Allergie sollte unbedingt ein allergologisch geschulter Facharzt aufgesucht werden. Er kann die genauen Ursachen der Beschwerden feststellen und die richtige Behandlung einleiten. Bei einer Hausstaubmilben-Allergie hat sich die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit molekular standardisierten Allergenpräparaten als sehr erfolgreich erwiesen. Mit dieser Behandlung kann neun von zehn Allergikern dauerhaft geholfen werden.

Das Vorkommen von Hausstaubmilben in unseren Betten hat übrigens nichts mit Unsauberkeit zu tun. Außer in Gebirgshöhen über 1.600m sind die mikroskopisch kleinen Spinnentiere nahezu überall in Betten, Polstermöbeln, Teppichen, Kissen oder Plüschtieren anzutreffen. Besonders wohl fühlen sich die Milben bei Temperaturen um 25*C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von rund 70 Prozent. Um die Allergenbelastung möglichst gering zu halten, empfiehlt der Allergologe Professor Schultze-Werninghaus das milbenfreundliche Wohnklima zu zerstören. Durch regelmäßiges Stoßlüften kann die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung reduziert werden. Ein kühles und trockenes Schlafzimmer ist für Milben ungemütlich. Das gesamte Bettzeug sollte regelmäßig gewaschen und die Matratze einmal jährlich gereinigt werden. Spezielle allergendichte Bezüge für Kissen, Decken und Matratzen (Encasings) helfen zusätzlich, den Kontakt mit den Milben zu reduzieren und allergische Beschwerden zu lindern. Nicht waschbare Gegenstände kann man bei mindestens 60*C in den Wäschetrockner oder - das eignet sich besonders für Kuscheltiere - für 24 Stunden in die Gefriertruhe stecken.

  • Ponsonby, A.-L. et al.: Feather bedding and house dust mites sensitization and airway disease in childhood. 
     Journal of Clinical Epidemiology 55, 6: 556-562, 2002.
  • Schei, M. A. et al.: House-dust mites and mattresses. 
     Allergy 57: 538-542, 2002.

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.

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