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29.07.2002 Rauchende Eltern erhöhen Allergierisiko ihrer Kinder


Kinder vor Allergien schützen
Immer mehr Kinder erkranken an Allergien und Asthma. Die Ursache dafür ist noch nicht geklärt. "Vermutlich sind verschiedene Faktoren an der Allergiezunahme bei Kindern beteiligt, beispielsweise immer höhere Allergenkonzentrationen und das Auftreten von neuen Allergenen in unserer Umwelt", so Professor Wolfgang Leupold vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). Gleichzeitig scheint unser Immunsystem zu verweichlichen. Das komplizierte Zusammenspiel aus Immunzellen, Antikörpern und Botenstoffen braucht Training, damit es nicht auf harmlose Substanzen wie z. B. Blütenpollen überempfindlich reagiert.

Kinder mit Allergien müssen zum Facharzt
Bei allergiekranken Kindern ist der Gang zum Facharzt unvermeidlich. "Eltern, die bei ihren Kindern allergische Symptome wie häufiges Niesen, Augenjucken, Husten oder Hautprobleme beobachten, sollten möglichst frühzeitig eine exakte Allergie-Diagnostik bei einem Allergologen durchführen lassen", empfiehlt Leupold. Gegen die akuten allergischen Symptome helfen Medikamente. Bei andauernden Beschwerden sollte spätestens nach zwei Jahren eine spezifische Immuntherapie begonnen werden. Die spezifische Immuntherapie ("Allergie-Impfung") mit molekular standardisierten Allergenpräparaten verhindert weitere Sensibilisierungen und senkt als einzige Therapie das Risiko für den so genannten Etagenwechsel, also die Ausweitung der Allergie zu einem Asthma bronchiale. Ausschlaggebend für den Behandlungserfolg ist der rechtzeitige Therapiebeginn. Bei Kindern mit einem allergischen Schnupfen kann außerdem durch die spezifische Immuntherapie eine dauerhafte Heilung erreicht werden.

Allergiekarriere verhindern
Was kann man aber tun, um noch nicht erkrankten Kindern eine Allergiekarriere zu ersparen? "Da wir die genauen Ursachen für die Zunahme von Allergien noch nicht kennen, besteht auch noch Unsicherheit, wie man dieses Problem lösen kann", erläutert Leupold. "Dennoch gibt es einige wissenschaftlich belegte Möglichkeiten, das Allergierisiko für Kinder zu senken. Präventive Maßnahmen sollten vor allem bei Kindern von allergiekranken Eltern ergriffen werden, da bei diesen das Risiko, ebenfalls an einer Allergie zu erkranken, stark erhöht ist."

So schützen Sie Ihr Kind vor Allergien
Kinder aus Allergikerfamilien sollten nach Auskunft des Experten möglichst bis zum Alter von sechs Monaten gestillt oder mit einer allergenarmen Spezialnahrung gefüttert werden. Kuhmilch ist als Alternative nicht geeignet. Feste Nahrung sollte erst nach dem fünften Lebensmonat eingeführt werden. Dadurch kann der Entwicklung von Nahrungsmittelallergien vorgebeugt werden. Anschließend ist es ratsam, den Kindern nicht zu früh exotische Früchte (mit Ausnahme von Bananen), Hühnereier, Sellerie, Fisch und Nüsse zu geben, denn diese Lebensmittel führen leicht zu einer Allergie.

Es gilt heute als sicher, dass Kinder aus Raucherhaushalten ein höheres Allergierisiko haben. Schon in der Schwangerschaft ist Tabakrauch auch aus allergologischer Sicht schädlich für das ungeborene Kind. Eltern tun also nicht nur ihrer eigenen Gesundheit einen Gefallen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören - sie können so auch ihre Kinder vor Allergien schützen.

Die Allergenbelastung im Haus muss bei Familien mit einem erhöhten Allergierisiko möglichst gering gehalten werden. Dazu gehört ausreichendes Lüften, um die Feuchtigkeit in den Wohnräumen zu reduzieren. Damit wird Hausstaubmilben und Schimmelpilzen die Ausbreitung schwer gemacht. Um den Milbenbefall im Bett einzudämmen, sind milbendichte Matratzenhüllen empfehlenswert. Bettwäsche, Kissen und Decken sollten regelmäßig bei 60 Grad Celsius gewaschen werden. Auf die Haltung von Haustieren (Katzen, Hunde etc.) sollten Familien mit erhöhtem Allergierisiko verzichten. Insbesondere wenn schon eine Allergie vorliegt sollten Tiere auf keinen Fall angeschafft werden.

Eine regelmäßige Hautpflege mit Cremes, die möglichst wenige Zusatzstoffe wie Parfüm o. ä. enthalten, hält die Haut geschmeidig und verhindert ein Austrocknen. Kontaktallergien kann vorgebeugt werden, indem stark allergene Stoffe wie Nickel vermieden werden. Deshalb sollten Kinder nicht zu früh Ohrringe oder Piercings tragen: Schmuck enthält häufig Spuren von Nickel, die beim Durchstechen der Haut besonders leicht zu Allergien führen.

Für die Entwicklung eines gesunden Immunsystems bei Kindern scheint der Kontakt mit Bakterien wichtig zu sein. Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen und auch Kinder mit Geschwistern haben ein geringeres Allergierisiko. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich, dass diese Kinder häufiger Infektionen durchmachen und dadurch ihr Immunsystem trainiert wird. Eine zu sterile Umgebung kann somit für die Gesundheit von Kindern eher von Nachteil sein.

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.

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Pressekontakt ÄDA / DGAI
Dr. Petra von der Lage
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