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29.07.2002 Allergie auf Insektengift


Bienen- und Wespenstiche können tödlich enden
An einem lauen Sommerabend brannte es plötzlich im Oberschenkel von Hans D. Eine Wespe hatte ihn beim Spazierengehen gestochen. Dem Stich schenkte er keine große Bedeutung, da die Einstichstelle nicht sonderlich schmerzte. Einige Minuten später verspürte Herr D. plötzlich ein starkes Hitzegefühl. Seine Hände und Füße begannen zu jucken. Ihm wurde übel, schwindelig und schwarz vor Augen. Zehn Minuten nach dem Wespenstich brach er zusammen - Kreislaufstillstand. Ein Notarzt musste ihn wiederbeleben und künstlich beatmen. Herr D. erwachte auf der Intensivstation. Der Wespenstich hatte so fatale Folgen, denn Herr D. reagierte allergisch auf das Insektengift.

Bis zu fünf Prozent der Bundesbürger reagieren nach Auskunft von Allergologen auf Bienen- und Wespengift mit Symptomen wie Juckreiz, Hautausschlag, Atemnot, Zittern, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen oder sogar einem lebensbedrohlichen allergischen Schock. Allergie-Experten empfehlen für sie dringend eine spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung). Die Immuntherapie mit modernen, molekular standardisierten Präparaten kann Patienten schon nach kurzer Dauer gegen das Insektengift unempfindlich machen. Sie ist bei nahezu 100 Prozent der Patienten erfolgreich. "Bisher werden leider immer noch viel zu wenige Insektengift-Allergiker mit einer spezifischen Immuntherapie behandelt", bedauert Professor Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). "Viel zu viele Patienten müssen dadurch in ständiger Angst vor dem nächsten Stich leben."

Bei auffälligen allergischen Reaktionen nach einem Insektenstich muss sofort ein Notarzt gerufen werden. Bis zu seinem Eintreffen sollte der Betroffene flach mit leicht hoch gelagerten Beinen liegen. Verliert er das Bewusstsein, sollte man ihn in die stabile Seitenlage legen, mit einer leichten Decke zudecken und seine Atmung kontrollieren. Setzt diese aus, muss sofort mit einer Herzdruckmassage und Beatmungsmaßnahmen begonnen werden.

Besteht der Verdacht auf eine Insektengift-Allergie, ist unbedingt ein allergologisch geschulter Facharzt aufzusuchen. Dieser kann feststellen, ob sich der Verdacht bestätigt und dann den Betroffenen ausführlich über Schutz- und Therapiemaßnahmen beraten. Zur Sicherheit sollte jeder Insektengift-Allergiker ein Notfallset bei sich tragen. Es enthält ein Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat und Adrenalin in Form eines Sprays. Zusätzlich ist eine spezifische Immuntherapie unbedingt erforderlich.

Um einen Insektenstich zu vermeiden, rät Volker Mauss vom Zentrum für Wespenkunde in Michelfeld: "Auch wenn es schwer fällt: Bewahren Sie Ruhe bei der unmittelbaren Anwesenheit von Bienen und Wespen. Durch hastige Bewegungen und dunkle Farben fühlen sich die Tiere leicht bedroht." Außerdem sollten Speisen und Getränke im Freien immer abgedeckt sein. Beim Barfußlaufen ist darauf zu achten, dass Bienen Blüten aufsuchen und Wespen häufig im Boden nisten.

Hans D. kann die Sommermonate inzwischen wieder sorgenfrei genießen. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus hatte er eine spezifische Immuntherapie begonnen. Durch regelmäßige Injektionen kleiner Mengen des Insektengiftes wurde er langsam an die allergieauslösende Substanz gewöhnt. Ein in der Klinik durchgeführter, kontrollierter Wespenstich hat ihm schließlich gezeigt, dass er keine Angst mehr vor Wespen haben muss: Außer einem leichten Jucken und Anschwellen der Einstichstelle blieb die so genannte Stichprovokation folgenlos.

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Dr. Petra von der Lage
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