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22.02.2002 Azofarbstoffe sind als Allergene bekannt


Chemische Ostereierfarben sind nicht das Gelbe vom Ei
Chemische Ostereierfarben sind aus Sicht von Gesundheitsexperten nicht das Gelbe vom Ei. Zwar verwenden die meisten Haushalte als Lebensmittelfarbstoffe zugelassene Eierfarben, doch kritisieren Verbraucherschützer immer wieder, dass der überwiegende Teil dieser chemisch hergestellten Farbextrakte so genannte Azofarben mit Namen wie E 151 (Brillantschwarz) oder E 122 (Azorubin), E 127 (Erythrosin) und E 102 (Tartrazin) enthalten. "Alle diese Stoffe sind als schwache Allergene bekannt", berichtet Professor Björn Hausen vom Dermatologischen Zentrum des Elbeklinikums Buxtehude. Eine Allergie könnten diese Farben nicht induzieren, doch besteht die Gefahr, dass sie bei einer bestehenden Sensibilisierung eine allergische Frühreaktion auslösen können. "Wenn der Körper das Allergen kennt, kann es innerhalb von wenigen Minuten zu Reaktionen kommen", erklärt der Experte. Als häufigste Reaktion nennt er die Nesselsucht, bei der sich juckende Quaddeln auf der Haut bilden. Es könne aber zu den schlimmeren Symptomen kommen, die eine allergische Frühreaktion haben kann: Asthma, Schwellung der Schleimhäute und Atemnot. "Das passiert aber selten; man muss schon hochgradig allergisch sein", beruhigt der Professor.
 
 Gewöhnlich wird das Immunsystem nur aktiv, wenn Krankheitserreger - etwa Grippeviren - eindringen. Besondere weiße Blutzellen (die B-Lymphozyten) produzieren Antikörper, die den Eindringling markieren, so dass andere weiße Blutzellen ihn unschädlich machen können. Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe. Bei einem ersten Kontakt mit dem Allergen werden vermehrt Antikörper (Immunoglobine E) hergestellt. Diese Antikörper binden sich an so genannte Mastzellen, die als "Wächter" im Blut und in Schleimhäuten auf einen erneuten Allergenkontakt warten. Kleinste Mengen des Allergens reichen dann aus, um die Mastzellen zu aktivieren. Diese schütten dann entzündungsfördernde Botenstoffe wie Histamin aus. Die Folge sind allergische Reaktionen.

Wenn durch winzige Risse oder Sprünge in der Eischale Azofarbstoffe in das Eiweiß kommen, besteht die Gefahr, dass sie gegessen werden. Beim Kochen geplatzte Eier sollten daher nicht verwendet werden. Auch raten Gesundheitsexperten, Kinder beim Bemalen der Ostereier nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Gerade bei Kleinkindern landet nur allzu schnell die mit Farbe beschmierte Hand oder gleich ein ganzes Farbstäbchen im Mund. Als gesunde Alternative empfehlen Experten Farben aus der Natur. Ein schönes Blau erzielt man durch Holunderbeeren, gelb oder braun wird das Ei durch Gelbwurz (Kurkumin) oder Zwiebelschalen. Mit Rote Bete-Saft erzielt man hübsche Rottöne von tiefrot bis rosé. Spinat macht Eierschalen grün. Zum Färben eignen sich auch Brennnessel und Rotkohl. Die Zutaten müssten jeweils in Wasser ausgekocht werden. In dem Sud werden die rohen, mit Essigwasser abgewaschenen Eier dann hart gekocht und nach dem Abschrecken noch eine halbe Stunde darin liegen gelassen.

Auch bei den anderen Naschereien fürs Osternest sollte man mögliche Unverträglichkeiten berücksichtigen. Viele Süßigkeiten enthalten Farb-, Konservierungs- oder Geschmacksstoffe, auf die empfindliche Menschen allergisch reagieren können. So kann sich ein einfaches Nugatei für alle, die an einer Nussallergie leiden, als Genuss mit Reue erweisen. Generell sollten Personen, bei denen bereits eine Allergie auf Nahrungsmittel besteht, vorsichtig sein. Es könnte eine Kreuzallergie bestehen zwischen verschiedenen Pflanzenarten (Antigen-Gemeinschaft). Solche Antigen-Gemeinschaften treten häufig bei einer Pollenallergie auf. Zum Beispiel bei Birke und Apfel, Sellerie und Beifuß oder Latex und Banane. Bei Symptomen, die auf eine Allergie hindeuten, sollte auf jeden Fall ein allergologisch geschulter Facharzt aufgesucht werden. "Die genauen Ursachen der Beschwerden müssen durch eine adäquate Diagnostik festgestellt werden, damit die Allergie effektiv behandelt werden kann", so Professor Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA).

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