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22.02.2002 Blauer Dunst und Ekzem


Zigaretten können Hautallergien verschlimmern
Damit Zigaretten besser duften, setzen viele Hersteller ihren Glimmstängeln Perubalsam als Parfümstoff oder Aroma zu. Dieser Duft des blauen Dunstes ist jedoch nach Ansicht von Allergologen mit äußerster Vorsicht zu genießen. Denn das aus einer mittelamerikanischen Baumart gewonnene Harz gilt als hochpotenter Allergieauslöser, der zu Hautreaktionen in Form von Papeln, Bläschen oder Pusteln bis hin zu einer schweren Hautentzündung (Dermatitis oder Ekzem) führen kann. "In Zigaretten ist Perubalsam als Ganzes drin", berichtet Professor Björn Hausen, der am Dermatologischen Zentrum des Elbeklinikums Buxtehude die Inhaltsstoffe des Harzes allergologisch unter die Lupe genommen hat. Dabei hat er von den rund 250 Inhaltsstoffen 190 bereits identifiziert. "Davon können mindestens 30 eine Allergie auslösen", stellt er fest. Professor Thomas Fuchs von der Universitäts-Hautklinik Göttingen und Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) findet die Untersuchung aus Buxtehude sehr wichtig: "Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Rauchen als Ursache von allergischen Reaktionen in der Vergangenheit möglicherweise zu wenig beachtet wurde."

Eine Reaktion auf Perubalsam verläuft in der Regel als reine Kontaktallergie, weil sie über die Haut über so genannte Langerhans-Zellen erfolgt. Diese lösen bei Kontakt mit einer Substanz, die sie als Allergen identifizieren, die Immunantwort des Körpers aus. Es kommt zu einer Entzündungsreaktion an Ort und Stelle. Zigaretten reichen wegen ihres relativ geringen Gehalts an Perubalsam nicht aus, um diese Allergie zu induzieren. "Die Allergie wird zunächst auf einem anderen Weg erworben", ist sich Hausen sicher. Ist aber bereits eine Allergie vorhanden, kann sie durch das Rauchen verschlimmert werden. "Dadurch können sogar ruhende Entzündungsherde wieder aufflammen." Diesen engen Zusammenhang zwischen blauem Dunst und Dermatitis hat er in verschiedenen Fällen beobachten können: "Wir haben oft festgestellt, dass die Hautprobleme bei Patienten gebessert wurden oder sogar verschwunden sind, wenn diese mit dem Rauchen aufgehört hatten", berichtet er über seine Erfahrungen aus der Praxis. Blieben die Betroffenen bei ihrem Nikotinverzicht nicht standhaft, hätten erneute Hautveränderungen nicht lange auf sich warten lassen. "Das ist ein weiterer Grund, den Leuten zu sagen: Raucht auch aus allergologischen Gründen nicht."

Allerdings ist es im Fall einer Perubalsam-Allergie nicht einfach, dem fachärztlichen Rat "Allergen meiden" zu folgen. Wegen seiner antibakteriellen und aromatisierenden Eigenschaften wird der klebrige, schwarze Saft des Baumes Myroxylon balsamum nicht nur von der Zigarettenindustrie geschätzt. Das Allergen kommt beispielsweise auch in Colagetränken vor. Gemeinsame Allergene mit Perubalsam findet man auch in anderen Aromen, Bonbons, Eiscreme, Gewürzen, Mundwasser, Schokolade, Zimt, Vanille, Magenbitter und parfümierten Teesorten. Probleme kann es geben mit Deodorants, Schädlingsbekämpfungsmitteln, Kosmetika und sogar mit Medikamenten. "Früher war Perubalsam häufig Bestandteil in Wund- und Heilsalben", nennt Hausen einen weiteren Verwendungszweck. Heute ist es bei allen Produkten, die ärztlich verordnet werden, nicht mehr drin. Man findet Perubalsam nur noch in so genannten Naturheilmitteln. "Ein Blick auf den Beipackzettel lohnt sich", betont Hausen. Perubalsam ist meist unter Hilfsstoffen als Balsamum peruvianum aufgeführt.

Doch reagiert nicht jeder auf die sensibilisierenden Inhaltsstoffe des Perubalsams gleichermaßen allergisch. Daher empfiehlt sich bei Verdacht einer Perubalsam-Allergie der Besuch bei einem allergologisch ausgebildeten Facharzt. Dieser hat nicht nur Medikamente zur Linderung der Beschwerden parat, sondern kann mit Hilfe eines Tests herausfinden, welche Substanzen das Immunsystem irreleiten und darauf eine Therapie aufbauen.

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