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09.05.2001 Schwarze Katzen gefährlicher als weiße


Katzenallergie - muss der Kater weg?
Eine schwarze Katze von links bringt Unglück - das ist eine alte Volksweisheit. Neu ist aber: Schwarze Katzen lassen Katzenallergiker heftiger niesen als weiße Katzen. Dies ist das Ergebnis einer Studie US-amerikanischer Forscher, die schwarze Katzen bei Menschen mit abergläubischer Veranlagung noch weiter in Verruf geraten lässt. Ob schwarze oder weiße Katze - Einigkeit besteht unter Allergologen in jedem Fall darin, dass bei einer Katzenallergie auf das Zusammenleben mit dem Stubentiger verzichtet werden muss. Die Katzenallergene binden sich nämlich an den Feinstaub in der Wohnung und belasten so die Atemluft. Dadurch kommt es bei Katzenallergikern zu einer ständigen Reizung der Schleimhäute und Atemwege.

Katzenbesitzer sollten auf jeden Fall häufig Lüften und Saugen, um die Allergenkonzentration in der Wohnung möglichst gering zu halten. Es empfiehlt sich, die Katze regelmäßig unter freiem Himmel zu bürsten und das Katzenklo häufig zu säubern. Es sollte auch über die Anschaffung eines Raumluftfilters nachgedacht werden, der die Menge der frei fliegenden Allergene in der Atemluft reduziert. Das Schlafzimmer muss in jedem Fall für das Katzentier tabu sein. Häufig reichen diese Maßnahmen aber nicht aus. Wenn es dennoch zu einer Katzenhaar-Allergie kommt, muss die Katze schweren Herzens weggegeben werden. Doch bevor der pelztragende Mitbewohner bei Freunden oder gar im Tierheim landet, sollte aber ein allergologisch ausgebildeter Facharzt aufgesucht werden. Dieser kann dann genau testen, ob wirklich die Katze der Auslöser der Beschwerden ist.

Ohne adäquate Therapie wird man die allergischen Beschwerden selbst nach der Trennung von der Katze nicht los. Denn fast überall trifft man auf die weit verbreiteten Katzenallergene, die über die Kleidung von Katzenhaltern auch an Orte transportiert werden, an denen noch nie eine Katze war. So wurden selbst in der Polsterung von Kinositzen hohe Konzentrationen von Katzenallergenen nachgewiesen. Katzenallergiker sind vor den Allergieauslösern nirgendwo sicher. Dies kann je nach Schweregrad der Allergie nicht nur lästig, sondern auch gefährlich sein.

Bei Katzenallergien ist aber Land in Sicht: Mit Hilfe der Allergie-Impfung (spezifische Immuntherapie) können die Beschwerden von Katzenallergikern deutlich verbessert werden. Bei der spezifischen Immuntherapie mit modernen, molekular definierten Allergenpräparaten wird dem Patienten das Allergen in allmählich ansteigenden Dosierungen unter die Haut gespritzt. Der Körper gewöhnt sich langsam an den Fremdstoff und reagiert nach einiger Zeit nicht mehr allergisch. "Mit Hilfe der spezifischen Immuntherapie konnten bei vielen Patienten große Erfolge erzielt werden", so Professor Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). Schon nach dreimonatiger Behandlung haben Katzenallergiker deutlich weniger Beschwerden, wenn sie mit Katzen in Kontakt kommen.

Während Experten lange darin übereinstimmten, dass durch ein Zusammenleben mit Katzen das Allergierisiko generell erhöht wird, kommen neuere Studien zu einem überraschenden Ergebnis: Katzenbesitzer hätten kein erhöhtes und zum Teil sogar ein geringeres Risiko eine Allergie gegen Katzen zu entwickeln, als Personen, die noch nie eine Katze besessen haben. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass Allergiker-Familien insgesamt seltener Katzen halten als Nichtallergiker und dies bei der Auswahl der Patienten für die Studien nicht berücksichtigt wurde. Schließlich kann man aus der Tatsache, dass Allergiker weniger rauchen, also prozentual weniger Allergiker unter den Rauchern zu verzeichnen sind, auch nicht folgern, dass Rauchen vor Allergien schützt. Noch kann also trotz dieser Studien keine Entwarnung für Katzenbesitzer gegeben werden. Aber auch Nicht-Katzenbesitzer sind nicht vor einer Katzenallergie gefeit. Sogar die Hälfte aller Katzenallergiker hat noch nie eine Katze gehalten.

Wer unter einer Pollen- oder Hausstaubmilbenallergie leidet und somit ohnehin schon allergisch veranlagt ist, sollte sich die Anschaffung einer Katze jedenfalls gut überlegen. Das Risiko für allergisch vorbelastete Menschen ist nämlich groß, auch noch eine Allergie auf das Tier zu entwickeln. Katzenallergien können übrigens noch Jahre nach der Anschaffung einer Katze auftreten. Wenn bei den täglichen Streicheleinheiten des Tieres Niesanfälle oder Atembeschwerden auftreten, liegt der Verdacht auf eine Katzenallergie nahe. "Bei Symptomen, die auf eine Katzenallergie hindeuten, sollte unbedingt ein allergologisch ausgebildeter Facharzt aufgesucht werden, um die Ursachen abzuklären und eine effektive Therapie einzuleiten", so Professor Fuchs.

 

  • Custovics, A., et al.: House dust mite and cat allergen in different indoor environments.
    Clin.Exp. Allergy 24:1164-1168, 1994.
  • Henriksen, A.H., et al.: Sensitization and exposure to pet allergens in asthmatics versus non-asthmatics with allergic rhinitis.
    Respiratory Medicine 95 (2): 122-129, 2001.
  • Hoppe, A., et al.: Häufigkeit allergischer Atemwegserkrankungen durch Katzenallergene bei Patienten mit und ohne Katzenhaltung. 
    Allergo Journal 3: 96-100, 1994.
  • Hussain, S., auf dem Jahreskongress des American College of Allergy, Asthma, and Immunology in Seattle, Washington, USA, 3.-8. November 2000.
    Publikation vorgesehen in Annals of Allergy, Asthma and Immunology.
  • Platts-Mills, T., et al. 2001:Sensitisation, asthma and a modified Th2 response in children exposed to cat allergen: a population-based cross-sectional study.
    The Lancet 357:752-756.
  • Varney, V.A., et al.: Clinical efficacy of specific immunotherapy to cat dander: a double blind placebo-controlled trial.
    Clinical and Experimental Allergy 27: 860-867, 1997.

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