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28.11.2004 Der nächste Pollenflug kommt bestimmt


2004 war ein Mastjahr für Birken. Die Bäume haben im Frühjahr so große Mengen Blütenstaub freigesetzt. Die Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum hat im April an mehreren Tagen über 5.000 Birkenpollen pro Kubikmeter Luft gemessen. Diese Pollenkonzentration war zehnmal so hoch wie im vergleichbaren Zeitraum des Jahres 2003. Der heftige Birkenpollenflug verursachte bei Menschen mit einer Birkenpollen-Allergie starke Beschwerden: Niesen, Schnupfen, Augenjucken oder sogar Husten und Atemnot. Noch nie kamen während des Birkenpollenflugs so viele Patienten in unsere Behandlung wie im Frühling 2004", so Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). Der Allergologe und Lungenfacharzt berichtet, dass auffällig viele Patienten mit schweren Asthmaanfällen die Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum aufsuchten. Auch in anderen Regionen in Deutschland kam es im Frühling 2004 zu einer Häufung von Asthmanotfällen. Das haben mir viele Kollegen bestätigt", sagt Schultze-Werninghaus. Etwa ab März ist wieder mit dem Flug von Birkenpollen zu rechnen. Wer auf Hasel- oder Erlenpollen allergisch reagiert, niest schon eher: Diese Bäume beginnen oft schon im Januar zu blühen.

Bei Allergien zum Allergologen
Bei Menschen mit einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem nach dem Einatmen von Blütenstaub überempfindlich. Bestimmte Immunzellen setzen Entzündungsstoffe frei, die beispielsweise die Nasenschleimhaut anschwellen lassen, die Schleimproduktion steigern und Juckreiz verursachen: die typischen Symptome für Heuschnupfen. Die allergische Entzündung kann sich auf die Bronchien ausdehnen und zu allergischem Asthma mit pfeifender Atmung, Luftnot und Husten führen. Asthmakranke mit einer Allergie auf Birkenpollen haben ein hohes Risiko, dass es während der Pollensaison zu schweren, lebensbedrohlichen Asthmaanfällen kommt.(1) Wenn die Erkrankung länger besteht, können zunehmend nicht-allergische Auslöser wie Tabakrauch und Kälte zu Asthmabeschwerden führen. Mit Heuschnupfen oder Asthma sollte man rechtzeitig zum Facharzt gehen. Mit einer effektiven Therapie bekommt man diese Krankheiten gut in den Griff und verhindert, dass es mit den Jahren immer schlimmer wird", empfiehlt Schultze-Werninghaus. 

Immuntherapie hilft dauerhaft
Gegen Heuschnupfensymptome haben sich kortisonhaltige Nasensprays und Antihistaminika für die tägliche Einnahme sehr bewährt. Eine langfristige Besserung ist in etwa 90 Prozent der Fälle mit einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) möglich. Die Patienten erhalten bei dieser Therapie oftmals über einen Zeitraum von drei Jahren regelmäßig Injektionen mit dem Allergen, das ihre Allergie auslöst. Dadurch wird das Immunsystem wieder unempfindlich, die Symptome bessern sich dauerhaft und das Asthmarisiko sinkt. Eine 2004 veröffentlichte schwedische Studie zeigte, dass die Immuntherapie mit molekular standardisierten Allergen-Präparaten auch entzündungshemmend wirkt.(2) Für Pollenallergiker ist Herbst und Winter der beste Zeitpunkt für den Beginn dieser Behandlung. Wichtige Asthmamedikamente sind Kortisonsprays, die bei regelmäßiger Inhalation wirkungsvoll die Entzündung der Atemwege bekämpfen und Betamimetika, die gegen die Atemnot helfen, indem sie die Bronchien erweitern. Schultze-Werninghaus rät Asthmakranken, bei einem allergologisch ausgebildeten Facharzt prüfen zu lassen, ob eine Allergie Ursache der Erkrankung ist. In diesem Fall kann eine spezifische Immuntherapie die zunehmende Verschlechterung des Asthmas aufhalten und vor einer akuten Verschlechterung der Lungenfunktion bei Kontakt mit Allergenen wie Pollen, Tierhaaren oder Hausstaubmilben schützen.

  1. Krüger, Margraf A, Schultze-Werninghaus G: Bedeutung allergischer Faktoren bei Patienten mit Exazerbationen eines Asthma bronchiale. Allergo Journal 1992;1(10):11-18.
  2. Arvidsson MB, Löwhagen O, Rak S: Allergen specific immunotherapy attenuates early and late phase reactions in lower airways of birch pollen asthmatic patients: a double blind placebo-controlled study. Allergy 2004;59:74-80.

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:Pressekontakt ÄDA / DGAIDr. Petra von der LageBodelschwinghstraße 1722337 HamburgTel.: 0 40 / 50 71 13 30Fax: 0 40 / 59 18 45

 


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