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28.09.2005 Kortison wirkt bei Allergien gezielter als angenommen


Das fehlgesteuerte Immunsystem wieder in die richtigen Bahnen lenken Ð fŸr die Behandlung allergischer Erkrankungen ist das die beste Option. Am ehesten wird diesem Anspruch zurzeit die spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, gerecht. Kortison galt dagegen bisher eher als ãTotschlŠgerÒ unter den antiallergisch wirkenden Medikamenten, der die allergische EntzŸndungsreaktion ungezielt unterdrŸckt. Diese Sichtweise muss wohl revidiert werden.

Kortison sorgt fŸr mehr Toleranz
Eine aktuelle Studie macht deutlich, dass Kortison die Immunabwehr nicht einfach eindŠmmt, sondern auch reguliert. Wissenschaftler um Christian Karagiannidis vom Schweizerischen Institut fŸr Asthma- und Allergieforschung in Davos untersuchten den Effekt der Medikamentengruppe auf die AktivitŠt regulatorischer T-Zellen.(1) An der Studie nahmen Asthmatiker teil, die mit Kortison als Spray zum Inhalieren oder in Tablettenform behandelt wurden. Als Vergleichsgruppe dienten gesunde Kontrollpersonen. Regulatorische T-Zellen besitzen eine SchlŸsselrolle fŸr die Ausgewogenheit der Immunantwort. Sie stellen zum Beispiel sicher, dass das Immunsystem keine gesunden kšrpereigenen Zellen und keine harmlosen Substanzen wie Pollen attackiert. Vereinfacht gesprochen hemmen sie also allergische Reaktionen.
Die Forscher wiesen nach, dass Kortison bei Asthma-Patienten vorŸbergehend die Bildung regulatorischer T-Zellen fšrdert. ãDas ist ein hochinteressantes ErgebnisÒ, so Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, PrŠsident der Deutschen Gesellschaft fŸr Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). ãMithilfe modernster Techniken wurde ein bisher unbekannter Wirkmechanismus des Kortisons aufgezeigt. Die Studie unterstreicht den hohen Stellenwert der Kortisontherapie beim Bronchialasthma.Ò Die Schweizer Studienautoren hoffen, die bisher nur vorŸbergehende Anregung der regulatorischen T-Zellen durch Kortison mithilfe neuer Therapieformen in einen dauerhaften Zustand ŸberfŸhren zu kšnnen. Ein solcher Ansatz wŸrde die Behandlungsmšglichkeiten von allergischen Erkrankungen und eventuell auch Autoimmunkrankheiten wie dem entzŸndlichen Gelenkrheuma dramatisch verbessern. Schultze-Werninghaus drŸckt noch eine weitere Hoffnung aus: ãWenn wir den Patienten erklŠren, dass Kortison das Immunsystem bei Allergien normalisiert, kšnnen wir ihnen die Furcht vor dem Medikament viel Ÿberzeugender nehmen. Leider haben ja viele Menschen immer noch Angst vor Kortison, die bei modernen PrŠparaten und sachgerechter Anwendung aber weitgehend unbegrŸndet ist.Ò

Spezifische Immuntherapie: Sogar Heilung ist mšglich
Kortison kann die Regulationsstšrung im Immunsystem also vorŸbergehend ausgleichen. Die Wirkung des Medikaments weist damit €hnlichkeiten zur spezifischen Immuntherapie (SIT) auf. Bei dieser Behandlung werden dem Patienten regelmŠ§ig Lšsungen injiziert, die die Substanz enthalten, auf die er allergisch reagiert (das Allergen). Im Gegensatz zu Kortison vermag eine SIT aber, die Fehlsteuerung der Kšrperabwehr dauerhaft zu beheben und dadurch Allergien im besten Fall sogar zu heilen. Weil das Immunsystem regelmŠ§ig mit dem Allergen konfrontiert wird, gewšhnt es sich allmŠhlich wieder an die entsprechende Substanz und lšst nach einer Weile keine allergische Reaktion mehr aus. Neben anderen Mechanismen scheint die SIT ebenso wie Kortison die AktivitŠt der regulatorischen T-Zellen zu steigern. Die Erfolgsquoten einer SIT mit standardisierten Allergenextrakten betragen bei allergischem Schnupfen und bei Insektengiftallergien Ÿber 90 Prozent.

  1. Karagiannidis C et al.: J Allergy Clin Immunol 2004 (114): 1425-1433

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