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28.09.2005 Wenn Medikamente krank machen


Ein Medikament soll unsere Beschwerden heilen oder zumindest lindern. Doch Arzneimittel kšnnen auch unerwŸnschte Wirkungen hervorrufen. Zu den seltenen, aber potenziell gefŠhrlichen Nebenwirkungen gehšren die Arzneimittelallergien. In den meisten FŠllen kommt es dabei zu HautverŠnderungen in Form eines juckenden Ausschlages (Arzneimittelexanthem). Es kšnnen jedoch auch alle anderen Symptome einer Allergie auftreten, von Schnupfen Ÿber AsthmaanfŠlle bis hin zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock.

Wer nach der Einnahme eines Medikamentes solche Symptome an sich beobachtet, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Der dreijŠhrige Phillip zum Beispiel stellte sich mit einem stark juckenden Ausschlag am ganzen Kšrper in der Notfallsprechstunde vor. Ursache war ein Antibiotikum, das er zur Behandlung einer fieberhaften MittelohrentzŸndung drei Tage lang eingenommen hatte. Der Notfallarzt verschrieb ein neues Antibiotikum sowie einen juckreizstillenden Saft (Antihistaminikum) zu Behandlung der Allergie. ãGerade bei Kindern kann es schwierig sein, ein Arzneimittelexanthem von einem Masern- oder anderem Virusexanthem zu unterscheiden. Unklare HautausschlŠge sollten daher immer von einem Facharzt abgeklŠrt werdenÒ, sagt der Kinderarzt und Allergologe Dr. Wolfgang Rebien, PrŠsident des €rzteverbandes Deutscher Allergologen (€DA) aus Hamburg.

Mit Arzneimittelallergien zum Allergologen

Bei Verdacht auf eine Arzneimittelallergie sollte frŸhestens zwei Wochen nach dem RŸckgang der Beschwerden, jedoch mšglichst innerhalb der nŠchsten sechs Monate, eine Allergietestung bei einem auf Allergien spezialisierten Arzt durchgefŸhrt werden. In einigen FŠllen ist es mšglich, mit Hilfe verschiedener Haut- und Bluttests Hinweise auf die auslšsende Substanz zu erhalten. ãGewissheit bieten aber nur relativ aufwŠndige und nicht ganz ungefŠhrliche Untersuchungen, bei denen der Patient das Medikament unter Šrztlicher †berwachung noch einmal einnimmtÒ, berichtet der Gšttinger Allergologe und Dermatologe Professor Dr. Thomas Fuchs. Er kritisiert, dass fŸr Deutschland auch von offizieller Seite keine Daten darŸber verfŸgbar sind, wie hoch das Risiko fŸr lebensbedrohlich verlaufende Arzneimittelallergien ist. ãHier besteht dringender HandlungsbedarfÒ, so Fuchs.

Der Allergietest bringt Klarheit

Relativ hŠufig werden Arzneimittelallergien von Antibiotika, Epilepsiemedikamenten und Schmerzmitteln ausgelšst. Auch ãsanfteÒ Naturheilmittel wie Echinacea oder Kamille kšnnen Allergien hervorrufen. Gelegentlich stellt sich bei der allergologischen Diagnostik heraus, dass der Betroffene nicht auf den Wirkstoff des Arzneimittels, sondern auf einen so genannten Hilfs- oder Zusatzstoff allergisch reagiert. Das kann ein Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoff sein. Die vermeintliche Penicillinallergie wird also unter UmstŠnden gar nicht durch das Penicillin ausgelšst, sondern zum Beispiel durch einen Farbstoff in der Tablette. ãIn diesem Fall ist die Allergie-Diagnostik von gro§er Bedeutung, denn der Betroffene kann dann sehr wohl Penicillin einnehmen. Es muss nur die Tablette eines anderen Herstellers sein, die diesen Farbstoff nicht enthŠltÒ, erklŠrt Fuchs. ãEs ist bei Arzneimittelallergien daher sehr wichtig, das Ergebnis der Allergietestung in einen Allergiepass eintragen zu lassen und diesen bei Arztbesuchen immer vorzulegen. Dann ist jeder Arzt in der Lage, ein optimal wirksames und vertrŠgliches Medikament herauszusuchen.Ò

Die wirksamste Therapie der Arzneimittelallergie besteht darin, die auslšsende Substanz konsequent zu meiden. Die Betroffenen sollten neue Medikamente nur nach RŸcksprache mit ihrem Arzt einnehmen. Menschen, die bereits einmal allergisch auf ein Arzneimittel reagiert haben, mŸssen auch bei allen anderen Medikamenten aufpassen. Sie besitzen ein zehnmal hšheres Risiko, weitere Arzneimittelallergien zu entwickeln.

Aspirin kann Asthmatiker atemlos machen

Nicht in jedem Fall steckt hinter den Symptomen einer Arzneimittelallergie aber eine echte allergische Reaktion. Es kann sich auch um eine so genannte Pseudoallergie handeln. Im Unterschied zur allergischen Reaktion, die gewšhnlich erst einige Tage nach der ersten Medikamenteneinnahme auftritt, kann es hier schon bei der ersten Einnahme zu Beschwerden wie Hautausschlag, Schnupfen oder Atemnot kommen. Ein Beispiel fŸr eine Pseudoallergie ist ein durch das Schmerz- und Rheumamittel AcetylsalicylsŠure (ASS) ausgelšstes Asthma bronchiale. In der Normalbevšlkerung liegt das Risiko hierfŸr bei unter einem Prozent. Dagegen reagiert etwa jeder fŸnfte erwachsene Asthmatiker auf die Einnahme von ASS mit einem Asthmaanfall.(1)

  1. Jenkins Ch, Costello J, Hodge L: Systematic review of prevalence of aspirin induced asthma and its implications for clinical practice. BMJ 2004; 328: 434-437

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