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28.09.2005 Asthma kann man völlig in den Griff bekommen


Husten, pfeifender Atem und Luftnot sind die typischen Symptome für Asthma bronchiale. Mit einem vom Arzt diagnostizierten Asthma leben in Deutschland etwa fünf Prozent der Erwachsenen und sieben Prozent der Kinder. Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, denn über pfeifende Atemgeräusche berichten mehr als doppelt so viele Menschen.(1) Asthma sollte nicht unterschätzt werden: Noch immer sterben jährlich 2.700 Patienten in Deutschland daran.(2) Schon bei leichtem Asthma kann die Lebensqualität erheblich eingeschränkt sein, später kommt es häufig zu Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit.(3) Das ließe sich aber leicht ändern, wenn Asthmakranke eine optimale Behandlung bekämen. Mit den heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten lässt sich Asthma sehr gut in den Griff bekommen. Niemand sollte sich mit ständigen Asthmasymptomen abfinden", sagt Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). Der Lungenfacharzt und Allergologe hat an der neu bearbeiteten Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Asthma" mitgearbeitet, die von der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie herausgegeben wurde.(4) Darin werden als Ziele der Asthmatherapie beispielsweise Symptomfreiheit und keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit angegeben.

Ursache für Asthma ist fast immer eine Allergie
Was viele nicht wissen: Bei 85 Prozent der Asthmatiker steckt eine Allergie hinter der Lungenerkrankung(1) und zu 86 Prozent sind Pollen die Auslöser von Atemwegsallergien.(5) Asthmakranke haben daher häufig während der Pollenflugzeit besonders starke Beschwerden. Ihr Immunsystem reagiert auf Pollenallergene mit einer starken Abwehrreaktion, bei der entzündungsfördernde Botenstoffe die Bronchialschleimhaut provozieren und dadurch eine Verengung der Bronchien und eine verstärkte Schleimbildung verursachen. Erschwertes Atmen, Husten und Luftnot sind die Folge. Nach längerer Krankheitsdauer können auch unspezifische Reize wie Tabakrauch und Kälte Asthmabeschwerden auslösen. Asthma neigt zur Chronifizierung und zur fortschreitenden Verschlechterung der Lungenfunktion und sollte deshalb möglichst frühzeitig von einem allergologisch ausgebildeten Lungenfacharzt behandelt werden", rät Schultze-Werninghaus.

Asthmabehandlung in Stufen
Die medikamentöse Asthmatherapie folgt einem Stufenschema, bei dem Asthma in vier Schweregrade eingeteilt ist. Bei der Stufe 1 spricht man von intermittierendem Asthma. Die Betroffenen haben nur leichte Symptome und können wochen- oder monatelang auch ohne Beschwerden sein. Ihre Lungenfunktion liegt über 80 Prozent des Sollwertes. Treten häufiger Symptome auf, spricht man von persistierendem Asthma bronchiale. Bei leichtem persistierendem Asthma (Stufe 2) - Symptome treten tagsüber mehrmals die Woche oder nachts mehr als zweimal im Monat auf - ist bereits eine Dauertherapie mit Kortison zur Inhalation notwendig. Zusätzlich erhalten die Patienten inhalierbare schnell wirksame BetaMimetika, die bei akuter Atemnot die Bronchien erweitern. Diese Therapie wird bei mittelschwerem und schwerem Asthma (Stufe 3 und 4) mit einem langwirksamen Beta-Mimetikum ergänzt, und es kommen höhere Kortisondosierungen und weitere Medikamente wie Theophyllin und Montekulast zum Einsatz. Die neue Asthma-Leitlinie führt darüber hinaus genau auf, welche Optionen Ärzte haben, wenn diese Behandlung nicht anschlägt. Wenn die neue Leitlinie konsequent befolgt wird, können fast alle Asthmapatienten beschwerdefrei sein", sagt Asthmaexperte Schultze-Werninghaus.

Immuntherapie normalisiert Immunsystem
Asthmakranken sollten außerdem die auslösenden Allergene meiden, was allerdings bei einer Allergie auf Blütenpollen, von der die meisten betroffen sind, nicht leicht ist. Allerdings kann eine spezifische Immuntherapie (SIT) das Immunsystem wieder toleranter machen. Bei der SIT (auch Allergie-Impfung genannt) wird dem Patienten ein standardisiertes Allergenpräparat mit der Substanz, auf die er allergisch reagiert, in langsam ansteigenden Dosen regelmäßig unter die Haut injiziert. Dadurch setzt ein anhaltender Gewöhnungseffekt ein: Das Immunsystem reagiert nicht mehr mit einer Abwehrreaktion, wenn es mit dem Allergen konfrontiert wird. Bei einer Pollenallergie liegen die Erfolgsquoten der SIT mit standardisierten Allergen-Präparaten bei 90 Prozent. Die Beschwerden werden dauerhaft deutlich gelindert, und die Patienten benötigen weniger Medikamente. In vielen Fällen bildet sich die allergische Reaktionsbereitschaft des Immunsystems sogar vollständig zurück. In der neuen Asthma-Leitlinie werden Ärzte daher aufgefordert, bei saisonal auftretendem Asthma, insbesondere bei Pollenasthma, zu prüfen, ob eine spezifische Immuntherapie in Frage kommt. 

Neue Therapie bei schwerem Asthma
Nach der internationalen Leitlinie der Global Initiative for Asthma (GINA)(6) kann bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren mit schwerem allergischen Asthma der Stufe 4 eine Therapie mit dem neuen rekombinanten humanisierten Anti-IgE-Antikörper Omalizumab versucht werden. IgE-Antikörper lösen nach der Bindung von Allergieauslösern eine allergische Entzündungsreaktion im Körper aus. Omalizumab hemmt diesen Vorgang und reduziert so die Krankheitsbeschwerden. Das Medikament muss alle zwei bis vier Wochen unter die Haut gespritzt werden. Es wird bereits seit 2003 in den USA erfolgreich bei allergischem Asthma eingesetzt. In Deutschland wird die Anti-IgE-Spritze voraussichtlich im Sommer 2005 zugelassen. Bei schweren Asthmatikern mit einem hohen Gesamt-IgE besteht mit der Anti-IgE-Behandlung die Möglichkeit, den hohen Kortisonbedarf zu senken. Diese Therapieoption wird sicherlich auch in unsere nationale Asthma-Leitlinie aufgenommen", erläutert Schultze-Werninghaus. 

  1. Weißbuch Allergie in Deutschland, 2. Auflage. DGAKI, ÄDA, DAAU (Ring J, Fuchs T, Schultze-Werninghaus G, Hrsg.), Urban und Vogel, München 2004. ISBN 3-89935-182-7
  2. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2004; http://www.destatis.de, GENESIS-Online
  3. Weißbuch Lunge 2000. Die Lunge und ihre Erkrankungen: zur Lage und Zukunft der Pneumologie in Deutschland. Nikolaus Konietzko, Helmut Fabel (Hrsg.), Thieme, Stuttgart, New York 2000. ISBN 3-13-104542-6
  4. Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Asthma. Kurzfassung. Deutschen Atemwegsliga e.V. und Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (Hrsg.), Thieme, Stuttgart, New York, 2005. ISBN 3-13-133861-X
  5. Bergmann K-Ch et al., Allergologie 2002; 3:137-146
  6. Pocket Guide for Asthma Management and Prevention. Updated 2004. Global Initiative for Asthma (GINA). http://www.ginasthma.org

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