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28.09.2005 Bei Milbenallergie zum Allergologen


Etwa 20-25 Prozent der Atemwegsallergiker leiden an einer Allergie auf Hausstaubmilben - genauer gesagt auf Bestandteile im Milbenkot. Hausstaubmilben sind mit 38,3 Prozent nach den Pollen (85,9 Prozent) die zweithäufigsten Auslöser allergischer Atemwegserkrankungen in Deutschland.(1) Während andere schlafen und sich erholen, kämpfen Hausstaubmilbenallergiker mit Husten, Schnupfen, Niesen oder Atemnot. Denn gerade im Bett halten sich die winzigen Spinnentiere besonders gerne auf: Dort hinterlässt der Mensch zahlreiche Hautschuppen. Sie dienen als Hauptnahrungsquelle der Milben. Zudem ist es im Bett meistens warm und feucht. Auch das kommt den Tieren sehr entgegen. Sie bevorzugen etwa 25 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent. Deshalb sollten Milbenallergiker häufig lüften und möglichst das Schlafzimmer nicht heizen, so dass die Feuchtigkeit entweichen kann und die Temperatur im Schlafzimmer niedrig bleibt.
Am höchsten ist die Milbenbelastung ausgerechnet dann, wenn es zu Hause kuschelig wird - im Herbst und frühen Winter. Milben vermehren sich von Mai bis Oktober. Mit der Heizperiode nimmt dann die Luftfeuchtigkeit ab, und viele Tierchen sterben. Dies bedeutet aber zunächst keine Entlastung für Allergiekranke, denn die Konzentration von leicht aufzuwirbelndem Milbenkot im Staub nimmt erst einmal zu - und damit leider auch die allergischen Beschwerden.

Auf dem Teppich bleiben?
Neben der Schlafstätte mögen Milben aber auch andere Textilien, allen voran den Teppich. Diskutiert wird, ob Milbenallergiker besser mit Teppich oder wischbarem Boden beraten sind, um die Milbenkonzentration im Haushalt niedrig zu halten. Dr. Horst Müsken, Bad Lippspringe, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) und des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA): Die Milbenkonzentration auf Teppich ist signifikant höher als auf wischbaren Böden, dies wurde in verschiedenen Studien nachgewiesen.(2,3,4) Teppich bindet die Milbenallergene, so dass insgesamt eher eine Ansammlung von Allergenen im Wohnraum stattfindet." Allerdings ist nicht sicher, ob mit wischbaren Böden tatsächlich weniger Beschwerden auftreten. Bisher wurde durch Studien nur belegt, dass milbendichte Matratzenüberzüge (Encasings) die Allergenbelastung verringern und dass eine spezifische Immuntherapie die Beschwerden dauerhaft lindern kann. Auf jeden Fall zum Allergologen Wird allergischer Schnupfen nicht behandelt, droht der so genannte Etagenwechsel, eine Ausweitung der Beschwerden von der Nase auf die Bronchien - Asthma ist die Folge," sagt Prof. Dr. Schultze-Werninghaus, Präsident der DGAKI. Auch ein atopisches Ekzem (Neurodermitis) kann durch Hausstaubmilben verschlimmert werden. Er rät deshalb Betroffenen: Suchen Sie einen allergologisch geschulten Facharzt auf. Denn nur, wenn eine korrekte Diagnose gestellt wurde, kann auch eine optimale Therapie durchgeführt werden." Die so genannte spezifische Immuntherapie (SIT) bessert in bis zu 90 Prozent der Fälle die Symptome dauerhaft und effektiv.(5) In vielen Fällen verschwinden die Symptome sogar völlig. Bei der SIT, auch Hyposensibilisierung oder Allergie-Impfung genannt, werden molekular standardisierte Allergenpräparate in langsam ansteigender Dosis regelmäßig unter die Haut injiziert. Dadurch gewöhnt sich der Körper an den Allergieauslöser, und das Immunsystem reagiert kaum mehr mit einer Abwehrreaktion.

  1. Bergmann KC, Albrecht G, Fischer P. Atemwegsallergiker in Deutschland. Ergebnisse der Studie Allergy - Living & Learning. Allergologie 2002; 3: 137-146
  2. Franz J-T. Karenzmaßnahmen gegen Hausstaubmilben. Allergo J 2004; 13: 531-40
  3. Mihrshahi S, Marks G, Vanlaar C, Tovey E, Peat J. Predictors of high house dust mite allergen concentrations in residential homes in Sydney. Allergy 2002; 7: 137-42
  4. Sidenius KE et al. House dust mites and their allergenes at selected locations in the home of house dust mite-allergic patients. Cli Exp Allergy 2002; 32: 1299-1304
  5. Haugaard L, Dahl R, Jacobsen L. A controlled doseresponse study of immunotherapy with standardized, partially purified extract of house dust mite: Clinical efficacy and side effects. J Allergy Clin Immunol 1993; 91: 709-22
  6. Borowski C, Schäfer T. Allergieprävention. Evidenzbasierte und konsentierte Leitlinie. München 2005

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