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30.11.2006 Schaben sind für deutsche Allergologen kein Thema ­ noch nicht?


Eine Untersuchung von 145 unter deutscher Flagge fahrenden Seeleuten ergab, dass mehr als ein Viertel im Haut-Pricktest gegen Allergene von Schaben (Kakerlaken) sensibilisiert waren. Die Ursache: Auf einigen Schiffen tummeln sich jede Menge dieser Insekten. "Eine Befragung der Seeleute zeigte, dass etwa zwei Drittel schon mehrere Jahre auf Schiffen gearbeitet hatten, die Schabenbefall aufwiesen. Bei einer Screeninguntersuchung im Hamburger Hafen fanden wir bei mindestens jedem zehnten Schiff mit regelmäßigem Verkehr in die Tropen Schaben", erklärt Dr. Marcus Oldenburg von der Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin des Zentralinstituts für Arbeitsmedizin in Hamburg. 

"Bisher ist die Allergie auf Schaben in der Allgemeinbevölkerung kein Problem und somit auch kein Thema für die Allergologen ­ noch nicht. Angesichts des allergenen Potenzials dieser Schädlinge sollten wir Schaben aber als mögliche Allergiequelle im Hinterkopf behalten", sagt Professor Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). 

Einer Studie aus Dresden aus dem Jahr 2000 zufolge sind bei uns immerhin etwa vier Prozent der Kinder gegen Schaben sensibilisiert. Kakerlaken-Allergene fanden die Forscher in 29 Prozent der deutschen Küchen und in 43 Prozent der Kindergärten. Allerdings waren die gemessenen Allergenkonzentrationen zu gering, um Krankheitssymptome auszulösen.(1) In den USA sind vor allem in Städten viele Haushalte von Schaben bevölkert und die krankheitsauslösende Schwelle der Allergenendosis wird in mehr als jedem zehnten Raum übertroffen.(1) 

Einen unfreiwilligen Versuch zum Thema Schaben und Allergiegefahr hat die Region um die niedersächsische Stadt Damme im Landkreis Vechta erlebt. Dort hatten sich in den Jahren 2004 und 2005 Schaben so massiv ausgebreitet, dass die eigentlich lichtscheuen Tiere tagsüber durch die ländlichen Vororte wanderten, um neuen Wohnraum zu finden. Befallen waren vor allem die Ställe ortsansässiger Schweinezuchtbetriebe, in deren warmen Ställen sich die Schaben das ganze Jahr über leicht vermehren konnten. "Trotz des für Westeuropa außerordentlichen Massenbefalls sind in unserer Region keine vermehrten Fälle von Asthma oder Allergien aufgetreten", sagt Dr. Hanns Rüdiger Röttgers, der Chef des Gesundheitsamtes Vechta. "Wir haben aus Gründen des Infektionsschutzes eine flächendeckende Zwangsbekämpfung angeordnet, denn Schaben tragen viele Keime mit sich herum. Jetzt ist die Plage vorbei." 

Schaben kommen häufig in Kantinen und Restaurants und in Lebensmittel verarbeitenden Betrieben vor. Sie lieben es dunkel, warm und feucht. Uschi Wedekind, Mitarbeiterin einer auf Schädlingsbekämpfung spezialisierten Firma, sagt: "Schaben sind nachtaktiv. Man entdeckt diese scheuen Mitbewohner manchmal, wenn sie eilig über den Fußboden in Verstecke huschen, nachdem man einen dunklen Raum betreten und Licht angemacht hat." Wedekind schätzt, dass die in den letzten Jahrzehnten zunehmende Reiselust dazu führen könnte, dass mehr Schaben nach Deutschland eingeschleppt werden. Sie empfiehlt, nach Reisen in wärmere Regionen das Gepäck genau zu inspizieren und die Koffer am besten zunächst draußen auf Balkon oder Terrasse zu öffnen, um nicht unbeabsichtigt Schaben ins Haus zu tragen.

  1. Hirsch T et al. Exposure and allergic sensitization to cockroach allergen in East Germany. Clin Exp Allergy 2000; 30(4): 529-37
  2. Cohn RD et al. National prevalence and exposure risk for cockroach allergen in U.S. households. Environ Health Perspect 2006; 114(4): 522-6

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