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30.11.2006 Hohe Allergiehäufigkeit bei Kindern festgestellt


Allergien gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Das bestätigte auch der erste bundesweite Kinder- und Jugendsurvey (KiGGS)1, den das Robert Koch-Institut am 25. September 2006 in Berlin vorgestellt hat. Mit Hilfe von Befragungen der Eltern war die Häufigkeit von ärztlich diagnostiziertem Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis bei Kindern und Jugendlichen im Alter von null bis 17 Jahren festgestellt worden. Durch Blutuntersuchungen wiesen die Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts bei den Drei- bis 17-Jährigen außerdem nach, gegen welche Allergieauslöser die Kinder und Jugendlichen sensibilisiert sind.(1)

Insgesamt leiden 16,7 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland aktuell unter einer allergischen Erkrankung des atopischen Formenkreises. Damit zeigte sich wieder, dass Heuschnupfen, Neurodermitis und Asthma sehr häufige Erkrankungen bei Kindern sind. Asthma und Heuschnupfen kommen etwas häufiger bei Jungen als bei Mädchen vor. Dagegen haben Mädchen häufiger Neurodermitis. KiGGS zeigt auch, dass die Verbreitung von Heuschnupfen mit dem Alter der Kinder steigt ­ im Alter von 14 bis 17 Jahren sind bereits über 15 Prozent betroffen. An Neurodermitis leiden dagegen eher jüngere Kinder.1

40,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind gegen mindestens eines der 20 getesteten Allergene sensibilisiert am häufigsten gegenüber Allergenen, die eingeatmet werden, allen voran die Allergene von Gräser- und Roggenpollen. Dagegen sind laut 22,4 bzw. 20,9 Prozent der Kinder sensibilisiert. Mit einer Häufigkeit von knapp über 20 Prozent sind Sensibilisierungen gegen Hausstaubmilben fast ebenso häufig. Sensibilisierungen gegen Birkenpollen wurden bei 14 Prozent und gegen Beifußpollen bei 11,2 der Kinder und Jugendlichen festgestellt. Häufigster Auslöser einer Sensibilisierung gegenüber einem Nahrungsmittel im Alter zwischen drei und 17 Jahren sind Erdnüsse: 10,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben spezifische IgE-Antikörper gegen Erdnussallergene im Blut. Insgesamt konnte eine Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmittel bei 20,2 Prozent nachgewiesen werden.(1)

Risiko steigt durch Zigarettenrauch, Milben und Schimmelpilze 
Die Ursache dafür, dass heutzutage so viele Kinder an Allergien erkranken, ist immer noch nicht geklärt. Die so genannte Hygiene-Hypothese postuliert, dass ein unzureichendes Training des Immunsystems dafür verantwortlich sein kann. Unsere Immunabwehr braucht in der frühkindlichen Entwicklung für die Reifung eine Stimulation durch Bakterien beziehungsweise Bestandteile von bakteriellen Zellwänden, den so genannten Endotoxinen. Ohne dieses Training entwickelt sich anscheinend leichter eine Überempfindlichkeit gegenüber Allergenen. Und die machen uns heutzutage enorm zu schaffen: Durch die Klimaerwärmung verlängert und verstärkt sich der Pollenflug vieler Pflanzen. Außerdem sind unsere Wohnräume oft stark mit Hausstaubmilben und Schimmelpilzen belastet.

“Angesichts der hohen Zahl allergiekranker Kinder sollten sich bereits werdende Eltern darüber informieren, wie sich das Allergierisiko bei Kindern senken lässt", empfiehlt der Kinderallergologe Professor Carl Peter Bauer, Erster Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) aus Gaißach. “Nach heutigem Forschungsstand sollten Säuglinge mindestens vier, nach Möglichkeit sechs Monate gestillt werden. Ist Stillen nicht möglich, sollte mit einer hypoallergenen Säuglingsnahrung gefüttert werden. Enorm wichtig ist der Verzicht auf das Rauchen in Schwangerschaft und Stillzeit sowie in Gegenwart von Kindern." Auch Maßnahmen zur Verringerung der Belastung mit Hausstaubmilben ­ beispielsweise milbenundurchlässige Matratzenbezüge ­ und eine Eindämmung des Schimmelpilzwachstums in Innenräumen können das Risiko für Allergien verringern. Zum Allergierisiko durch Fell tragende Haustiere gibt es inzwischen so widersprüchliche Daten, dass fundierte Empfehlungen kaum möglich sind. 

Besteht bei einem Kind der Verdacht auf eine allergische Erkrankung, sollte ein darauf spezialisierter Kinderarzt aufgesucht werden. “Je früher die Allergie diagnostiziert und fachärztlich behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen", sagt Bauer. “Allergien sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ohne ausreichende Behandlung werden sie chronisch und können zu einer großen Belastung im Alltag werden."

  1. Schlaud M, Thierfelder W: Allergische Erkrankungen. Präsentation des Robert Koch-Institut anlässlich des KiGGS-Symposiums am 25.9.2006 in Berlin
    www.kiggs.de bzw. www.kiggs.de/experten/erste_ergebnisse/index.html

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