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30.11.2006 Alternative Diagnostik und Therapie bei Allergien


Die fachärztliche Behandlung von Allergien und allergischem Asthma hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. In einer Vielzahl wissenschaftlicher Studien sind die guten Wirkungen verschiedener Medikamente eindeutig belegt worden. Auch die spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung) bewährt sich seit langen Jahren. Doch nicht alle Allergiker vertrauen der Schulmedizin. Viele greifen auf alternative Heilverfahren oder alternative Methoden zur Allergiediagnostik zurück.
Der Einsatz alternativer Methoden bei Allergien ist allerdings umstritten. “Alternative Heilverfahren werden in der Regel auch nicht von den Krankenkassen bezahlt, weil meistens ein Wirkungsnachweis fehlt," erklärt der Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), Professor Wolfgang Czech aus Villingen-Schwenningen. Trotzdem sorgen alternative Heil- und Testmethoden wie Pendeln, Eigenblutbehandlung, Bioresonanz- und Bachblüten-Therapie als Wundermittel gegen Allergien immer wieder für Schlagzeilen. Was ist also dran an der alternativen Allergiebehandlung?

Allergologen haben Alternativmethoden unter die Lupe genommen
Die Arbeitsgruppe Komplementärmedizin der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) hat Alternativmethoden nach eingehender Sichtung der dazu vorliegenden wissenschaftlichen Studien bewertet.(1) Mit Ausnahme bewährter Methoden wie Atem- und Physiotherapie, Kneipp´sche Verfahren, Bade- oder Klimatherapie fanden die Experten um den Münchener Allergologen Professor Wolfgang Dorsch fast keine Beweise für eine Wirksamkeit:
Methode Beschreibung Wirknachweis

Methode

Beschreibung

Wirknachweis

Akupunktur

Reizung bestimmter Punkte am Körper durch Nadeln.

Kontrollierte Studien belegen Effekte bei leichtem Asthma. Als Ergänzung klassischer Therapieverfahren der Lungenheilkunde akzeptabel.

Elektroakupunktur nach Dr. Voll

Änderungen elektrischer Potenziale an Akupunkturpunkten sollen Aufschluss über Krankheitsursachen geben.

Bereits 1976 im Beisein von Dr. Reinhold Voll widerlegt.

Behandlung mit Eigenblut

Venös entnommenes Blut wird dem Patienten in einen Muskel gespritzt; in einer homöopathischen Variante in Wasser oder Alkohol gelöst zum Trinken gegeben. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit liegen nicht vor.

Dagegen kann es nach der Injektion zu schmerzhaften Entzündungen kommen.

Autohomologe Immuntherapie nach Dr. Kief

Speziell aufbereitetes Blut oder Urin werden geschluckt, inhaliert oder injiziert.

Ein nachvollziehbarer Wirksamkeitsnachweis fehlt. Die Methode ist extrem teuer.

Aromatherapie, Farbtherapie

Inhalation von duftenden Pflanzenessenzen oder Bestrahlung mit farbigem Licht.

Autosuggestion bzw. Plazebowirkung: harmlos aber wirkungslos.

Bach-Blütentherapie

Frische Blüten ausgewählter Pflanzen werden über Nacht in frisches Quellwasser gelegt. Die Essenz wird am nächsten Morgen eingenommen oder weiterverarbeitet.

Das tropfenweise Trinken von Blumenwasser hat sehr wahrscheinlich keine Wirkung.

Kinesiologie

Allergien werden durch Kontakt von Allergieauslösern mit nachfolgender Änderung der Muskelspannung nachgewiesen.

Widerlegt in einer Doppelblindstudie mit einem erfahrenen Kinesiologen. Die Methode versagte auch bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten.

Pendeln

Allergien werden durch Auspendeln festgestellt.

Keine Aussagekraft, die Methode beruht nur auf Suggestion.

Bioresonanz und verwandte Techniken

Durch den Kontakt mit Allergenen verursachte “ultrafeine Schwingungen" bzw. elektrische Phänomene sollen mittels eines speziellen Gerätes messbar und auch löschbar sein.

Klinische Studien zeigten, dass Bioresonanz weder für die Diagnostik noch für die Therapie von Allergien geeignet sind.(2)

Homöopathie

Verwendung von sehr stark verdünnten (“potenzierten") Wirkstoffen.

Bisher konnten nur für die Pflanze Galphimia glauca in einer bestimmten Verdünnung Hinweise auf Wirksamkeit bei Heuschnupfen gezeigt werden.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verwendung von traditionell überlieferten Mischungen von Heilpflanzen.

Die komplexen Mischungen enthalten oft Dutzende Wirkstoffe, teilweise mit Wechselwirkungen, die eine wissenschaftliche Beurteilung erschweren. Es gibt sowohl Hinweise auf Wirksamkeit als auch auf schwere Nebenwirkungen.


Alternative Methoden sind keine wirkliche Alternative. Sie können die klassische Therapie nicht ersetzen", sagt ÄDA-Präsident Professor Czech. Ein ausreichender Wirknachweis bei Allergien liegt nach Ansicht des Facharztes bisher nicht vor. “Die Betroffenen sollten unbedingt auch einen Allergologen aufsuchen. Bei Heuschnupfen sind Antihistamin-Tabletten zur Linderung der Symptome sowie Kortison-Nasensprays zur Entzündungshemmung sehr empfehlenswert. Außerdem kann die Allergieursache mit einer spezifischen Immuntherapie (Allergie-Impfung) wirksam und langfristig bekämpft werden. “Danach sind die meisten Patienten weitgehend beschwerdefrei", so Professor Czech.

Auch der Präsident der DGAKI, Lungenfacharzt Professor Gerhard Schultze-Werninghaus aus Bochum, rät zum Facharztbesuch: “Mit den heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten können wir sogar Asthma gut in den Griff bekommen. Niemand muss sich mit ständigen Asthmasymptomen abfinden", so Schultze-Werninghaus.
Eine Neurodermitis muss nicht immer mit Cortisonsalben behandelt werden. Eine konsequente regelmäßige Basispflege, eine genaue Diagnostik und anschließende Vermeidung der auslösenden Allergene sowie die frühzeitige antientzündliche Therapieerweiterung im Falle eines Schubes ermöglichen in der Regel eine Stabilisierung des Patienten. Die strukturierte Patientenschulung nach den Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung (AGNES) trägt zusätzlich zur Stabilisierung bei. “Für so genannte alternative Methoden dagegen konnte ein wissenschaftlich fundierter Wirkungsnachweis bisher nicht erbracht werden", erklärt der Kinderallergologe Professor Carl-Peter Bauer, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) aus Gaißach.


  1. Dorsch, W., Ring, J.: Komplementärmethoden oder sogenannte Alternativmethoden in der Allergologie. Allergo Journal 3: 163-170, 2002.
  2. Wüthrich B et al.: Bioresonanz ­ diagnostischer und therapeutischer Unsinn. Allergo Journal 15: 338-343, 2006.

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